Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

Seite: 139
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Drei römische Bleitäfelchen.

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Cossus Maesi. Dem Namen Cossus begegnen wir auch auf der
ersten Wormser Deüxio in Zeile 20 wieder, welcher dort auf der
rechten Seite des Textes, weil kein Platz mehr vorhanden war, quer
eingetragen ist. Ob dort auch in Verbindung mit dem Genetiv Maesi,
wie hier, ist zweifelhaft. Denn der dort im Genetiv beigefügte
Name ist von Weckerling a. a. 0. S. 71 Matui[n?]i gelesen worden;
ob mit Recht, möchte ich jedoch sehr in Zweifel ziehen. Denn
derselbe entpuppt sich dort auch als Maesi, wie ich wenigstens auf
dem durch die Güte des Herrn Dr. Köhl mir vorliegenden Täfel-
chen zu lesen glaube.

Z. 5 sind die beiden ersten Buchstaben des ersten Wortes kein
MA, sondern, wie deutlich zu erkennen ist, MR; es ist also A dem
Schreiber in der Feder stecken geblieben. Denn es kann keinem
Zweifel unterliegen, dass der Name Marcus lautet; das darauf fol-
gende Wort, welches seine letzte Silbe durch den grossen, das Tä-
felchen von oben nach unten durchziehenden Bruch eingebüsst hat,
ist aerari[us) und gibt, wie bei dem Namen Sabinus in der zweiten
Zeile, die Beschäftigung des Mannes an. Der Rest der Zeile ist
ohne Schwierigkeiten, er lautet Atta Marci uxsor. Es zählte also
auch die Frau des Marcus zu den Feinden. Interessant ist dabei,
dass die sonst als Mannesname bekannte Form Atta hier als Frauen-
name sich gebraucht findet, was zwar ungewöhnlich, aber nicht ohne
Analogie ist. Denn eine Grabinschrift aus der Nähe von Rom
(Bull, dell' Inst. arch. 1862 p. 33) ist einer Flavias Atte (so) con-
iugi benemerenti gesetzt. Vergl. ausserdem C. I. Rhen. 688.

Z. 6 ist der letzte Schenkel des dritten Buchstabens M durch
Risse im Blei unkenntlich geworden; aus demselben Grunde lässt
sich der vordere Theil des folgenden V nur mit bewaffnetem Auge
und selbst dann noch sehr schwach erkennen. Es ergibt sich der
Frauenname Ca[mu]la, welcher als solcher nicht eben häufig ist.
Vgl. C. I. L. V 547. — Von dem zweiten Worte uxsor fehlt jetzt
durch den Bruch der Platte an dieser Stelle die Hälfte des 0 und
R fast ganz. ■— Die folgenden Genetive Gamati Ambiti, deren Le-
sung völlig sicher ist, gehören zu uxsor, so dass zu verbinden sein
wird: Camilla uxsor Gamati Ambiti. Beide Namen sind bis jetzt,
so viel ich weiss, nicht nachgewiesen, es sei denn dass Gamati als
eine Verschreibimg für Giamati zu nehmen ist, welcher Name auf
den Stempeln von Thongeschirren als Fabrikantenname erscheint.
Vgl. Schürmans, Sigles figulins n. 2430—2431. Klein, B. Jahrb.
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