Altkunst GmbH <Freiburg, Breisgau>   [Hrsg.]
Sammlung des verstorbenen Baron Maximilian von Schoenebeck: Auktion (Band 1): I. Teil: Auktion in Freiburg im Breisgau am 18., 19. und 20. Oktober 1927 — Freiburg i. Br., 1927

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chloß Feldkirch bei Krozingen im Kreise Freiburg i. Br. ist ein dreistöckiger
rechteckiger Barockbau mit Mansardendach und kleinem Dachreiter, ein Bau*
werk, das bis in den Anfang des 16. Jahrhunderts zurückgehen dürfte und war
früher als österreichisches Lehen Jahrhunderte lang im Besitze des berühmten
alten Freiherrngeschlechtes derWessenberg. Nachdem die Familie ausgestorben war,
kam das Gut in den Besitz des Herrn Maximilian von Schönebeck, der die Räume
des alten schönen charaktervollen Gebäudes mit Kunstwerken aller Art anfüllte, die er
während seiner ungefähr vierzigjährigen Sammeltätigkeit auf großen Reisen im In* und
Auslande zusammengebracht hatte. Auch bei Auktionen, so bei der Kunstsammlung
Adalbert Freiherrn von Lanna hat er manches schöne Stück erworben. Herr
von Schönebeck war ein Sammler von Gefühl und Verständnis, und wenn auch die
Qualität vieler Objekte nicht immer eine hervorragend hohe ist, so muß doch vor allen
Dingen betont werden, daß er fast stets echte und charakteristische Typen in seltener
Vielseitigkeit und großer Menge erworben hat, die einen vortrefflichen Ueberblick über
die Entwicklung der einzelnen kunstgewerblichen Gruppen vom Ausgange der Gotik
bis zur Empirezeit bieten. Die Bestimmung, für die Schönebeck gesammelt hat, nämlich
zur Ausschmückung alter Schloßräume, ließ ihm eine möglichst große Mannigfaltigkeit
anstreben, und die ist es auch, welche jedem Sammler, der auf ähnlichen Pfaden wandelt,
die Möglichkeit gewährt, sich aus dieser reichen Fülle das auszuwählen, was sich seinen
eigenen Beständen als erfreulicher Zuwachs beigesellen kann. Das Material ist im Katolog
nach verschiedenen technischen Gruppen angeordnet, und zwar zunächst das Zinn, dann
die Keramik im weitesten Umkreise, Kupfer, Messing* und Bronzearbeiten, Waffen,
Bestecke, größeren Beleuchtungskörpern, Uhren, zahlreiche Möbel und ostasiatische
Bronzen, denen sich zum Schlüsse eine Reihe von verschiedenartigen Objekten anschließt.

Aus der stattlichen Reihe von Zinngegenständen, die allein rund 200 Nummern um*
faßt, ist als eines der interessantesten Stücke Nr. 115 hervorzuheben, das als ein söge*
nanntes Schützenkleinod anzusprechen ist und einen hübschen Einblick in das färben*
prächtige malerische Treiben der deutschen Schützengilden während der Renaissance*
und Barockzeit gewährt. Es ist ein sogenannter Königsschild von gefälliger Form, den
im Jahre 1716 der damalige Schützenkönig zu Frauenstein in Sachsen gravieren ließ.
Auf der Rückseite befindet sich die Darstellung eines Schützen, der auf den Vogel auf
der Stange schießt und gleichzeitig von dem Tode, der zu Füßen der Stange steht, durch
einen Pfeil erschossen wird. Darunter ist zweimal das Stadtzeichen von Frauenstein und
die Marke des dortigen Zinngießers Johann Georg Schelle eingeschlagen, und
diesem Beschau* und Meisterzeichen fügt sich noch die gravierte Signatur dieses Zinn*
gießers bei. Durch dieses seltene Stück wird auch das Meisterzeichen des Johann
Georg Schelle festgestellt, welches in Hintzes Deutschem Zinngießerbuch (Bd. I)
nicht abgebildet erscheint. Wir heben sodann aus der langen Reihe von Zinnwerken,
die zumeist dem 17. und 18. Jahrhundert entstammen, Tabaks* und Zuckerdosen mit
Deckel empor, so eine flache Deckelschale mit Reliefschmuck, welche eine Namur*
arbeit ist (Nr. 61), weiterhin die so charaktervollen Schüsseln mit breitem Rande, die
vom 16. bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts üblich waren, dann die hohen und niedern
Trinkkannen mit Deckel von verschiedener Form, welche zumeist in den Zunftstuben
in Gebrauch waren. Dieselben entstammen den verschiedensten Zünften der Städte im
alten römischen Reiche und im Elsaß. Sehr gesucht von Sammlern sind auch die
eigenartigen Schweizer Zinnkannen, zumeist Weinkannen mit geraden Ausgußrohren,
Schraubenverschluß und daraufsitzenden Ringhenkeln, welche entweder einen runden
oder vielseitigen Grundriß haben. Die Vorliebe des 18. Jahrhunderts für die aus dem
Oriente gekommenen Modegetränke, Kaffee, Tee und Schokolade, veranschaulichen
die hübschen zumeist geriefelten Servicebestandteile wie Zuckerdosen, Milchkännchen,
Kaffee*, Tee* und Schokoladekannen.
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