Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

Seite: 2
DOI Heft: 10.11588/diglit.29169.4
DOI Artikel: 10.11588/diglit.29169.5
DOI Seite: 10.11588/diglit.29169#0012
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1876/0012
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
POLITIK DIONYSIUS DES AELTEREN

Dagegen scheinen Aensserungen, welche mit Sicherheit oder
Wahrscheinlichkeit auf Ephorus zurueckzufuehren sind, sowie
gelegentliche Aussprueche der den Ereignissen gleichzeitigen
Redner auf eine weiterreichende Betheiligung des Tyrannen
an den griechischen Angelegenheiten hinzuweisen. Aber es
fehlt die thatsaechliche Be«;ruenduno;. Zur Ausfuelluno; dieser
Luecke kann jetzt die urkundliche Ueberlieferung dienen,
welche in den Inschriften vorliegt. Yon den drei attischen auf
Dionysius bezueglichen Psephismen, welche zu Tage gekom-
men sind, enthaelt eins namentlich eine wesentliche, bis her
noch niclit nutzbargemachte Bereicherung und Erweiterung
unserer Kenntniss der Zeitüeschichte. Ich versuche es im Fol-
e;enden an der Hand der urkundlichen und litterarischen Ue-
berlieferung die griechische Politik des aelteren Dionysius in
ihren verschiedenen Phasen zu verfolgen1.

Seit dem Beginn des peloponnesischen Krieges waren Sy-
racus und die uebrigen siziiischen Pflanzstaedte, welche bis-
dahin ihren eigenen geschichtlichen Bahnen gefolgt waren,
wieder in naehere Beziehungen getreten zu den Staaten des
griechisehen Mutterlandes. Der Yersuch Athens die Insel seiner
Herrschaft zu unterwerfen hatte zur Fol<?e aehabt, dass diese
Staedte unter dem Yortritte von Syracus sicli der spartanischen
Symmachie angeschlossen hatten; die Yermittlung hatte Ko-
rintli, die Mutterstadt von Syracus, uebernommen2. Das sizi-
lische Contingent bildete in den folgenden Jahren eine quali-
tativ und quantitativ wertvolle Verstaerkung der peloponne-
sischen Flotte. Die Begruendung der Gevaltherrschaft des Dio-

1 Dieser Gesichtsnunkt ist raeines Wissens bisher nirgends aufgestellt
worden. Man hat sich an die einzelnen Faelle gehalten, in clenen nach der litte-
rarischen Ueberlieferung Dionysius rait den griechischen Staaten in Beruehrung
kam. Auch Hoim, welcher Dionysius Theilnahme an den Angelegenheiten Grie-
chenlands ein eigenes Capitel gewidmet hat (B. II. S. 133 ff.), giebt nur eine
aeusserliche Zusammensteliung der ueberlieferten Thatsachen. Begreiflicher
Weise hat von jeher das Verhaeltniss des Tyrannen zu Sparta im Beginn seiner
Herrschaft am meisten Beachtung gefunden. Der Gegenstand bringt es mit sich,
dass ich auf die Enlwicklung der griechischen Verhaeltnisse innerhalb des in
Frage kommenden Zeitraums eingehen muss.

2 Thuk. VI 73. 88, 7 ff.
loading ...