Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

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POLITIK DIONYSIÜS DES AELTEREN

lief zwei aufrecht stehende weihliche Figuren dargestellt, wel-
che sicli die Hand reichen. Die linke Figur ist durch die Rue-
stung und die Schlange, die sicli neben ihr aufbaeumt, als
Athene c-haracterisirt. Die gegenueber stebende weniger gut
erhaltene Figur bielt in der linken Hand eine hohe Fackel,
danach scheint eine Darstellung der Demeter als Repraesen-
tantin der Jnsel Sizilien beabsichtigt gewesen zu sein* 1. In-
teressant ist die namentliche Aufzaehlung der auch aus der
litterarischen Ueberlieferung als thaetige Genossen des Tyran-
nen bekannten Verwandten desselben. Illegitime. Herrscher
haben stets in einem zahlreichen Familienanhang eine Stuetze
c;esucht2. In dem wego-ebrochenen Theil der lnschrift wa-
ren yielleicht andere Ehrenbezeichungen angefuehrt; dass
der Inhalt darueber hinausging, ist auch wegen der Fassung
des Erhaltenen niclit wahrscheinlich.

Ueber die Veranlassung der Dionysius erwiesenen Ehren
laesst uns die Inschrift ebenso im Dunkel wie ueber die Qua-
litaet, in welcher Androsthenes seinen Rericht an den Ratli
erstattet hatte. Aus der Jahreszeit, in welche der Beschluss

die Note von Holm Gescb. Siciliens II S. VII habe ich die Stelle nochmals auf
dem Steine nachgesehen und gefunden, dass die Spuren des Omikron, welche
ich frueher hinter der Luecke zu erkennen geglaubt hatte, nicht sicher gelesen
werden koennen. Ich zweifele jetzt nicht, dass Polvxenos genannt war, wie
Holm vermufhet hat.

1 Das Relief ist abgebildet bei Scnoene, Gr. Reliefs Taf. VII 49, vgl. S.
24. Dass die rechts stehende Figur eine Fackel, kein Scepter hielt, scheint mir
nach einer wiederholten Besichtigung des Originales nicht zweifelhaft. Warum
Sizilien nicht durch eine Goeltin habe vertreten werden koennen, gestehe ich
nicht recht einzusehen. Docli muss zugestanden werden, dass fuer Demeter nur
das Attribut der Fackel angefuehrt werden kann.

2 Natuerlich ist damit auch in der Regel eine Theilung des Einflusses ver-
bunden. Daher wird haeufig statt des Tyrannen die Familie genannt wie bei
den Pisistratiden. Eine Tyrannenfamilie wird auch unter den -cupavvoi zu ver-
stehen sein in der alten auf Erythrae bezueglichen Inschrift C. I. A. I 9 Z. 32.
Dass in den von Tyrannen beherrschten italiaenischen Staedten hie und da die
Herrscher an den Beirath der Familien gebunden waren, bemerkt Burckhardt,
Die Cultur der Renaissance S.7.Den verschiedenen Erscheinungen liegtdie ge-
meinsame Thatsache zu Grunde, dass der Usurpator des Familienanhanges be-
darf um sich den unfreiwilügen Unterthanen gegenueber zu behaupten.
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