Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

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POLITIK ÜIO.WSIUS ÜES AELTEREX

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faellt, dem Namen des Antragstellers und dem Fundort des
Steines habe ich frueher geschlossen, dass die poetischen Ne-
benbeschaeftigungen des Tvrannen das Ehrendecret hervor-
gerufen haben. Der Umstand, dass der Beschluss vom Ilath al-
lein oline Genehmigung durch die Yolksversammlung gefasst
war, ist hei der Beurtheilung der Inschrift nach dieser Seite
hin mit in Betracht zu ziehen. Es koennte an den kurz vor-
her gefeierten Lenaeen eine Dichtung des Tyrannen vorgetra-
gen worden sein, dies konnte Veranlassung werden zu einem
Ehrendecret fuer denselben, wenn aucli die naeheren Um-
staende fuer uns im Unklaren bleihen. Ich verkenne nicht,
dass diese Vermuthung auf schwachen, vielleicht nur schein-
baren Stuetzen ruht und dass sich mehreres dao-e^en einwen-
den laesst, allein ich weiss sie durch keine hessere zu erset-
zen. Ein Mal zwar schien es mir, als wenn eine andere Com-
bination zutreffender sein wuerde. In der siebenten Seeur-
kunde, welche zwischen 357 und 350 v. Ch. abgefasst ist,
wird als einer Reparatur beduerftiges Schiff unter anderen an-
gefuehrt Elsucl; r, 7T«cä Aiovuctou. Dass nach dem gehrauchten
Ausdruck ein oeschenktes, kein erbeutetes Schiff zu verstehen
und dass der Geber wahrscheinlich Dionysius der Aeltere ge-
wresen sei, hat Boeckli ausgefuehrt1. Aber ich kann Boeckh
nicht heistimmen, wenn er anzunehmen scheint Dionysius
habe den Athenern ein Kriea;sschiff zum Geschenk machen wol-
len. In der aelteren Zeit, so lange Athen mit Sparta verfeindet
war, konnte der Verbuendete des letzteren sicli nicht beikom-
men lassen die athenische Seemacht durch Geschenke wieder-
herstellen zu helfen; spaeter, als sich die beiden Staaten befreun-
deten2, hefand sich Athen wieder im Besitz von mehreren hun-
dert Kriegsschiffen, das Geschenk einer Triere wuerde damals
ungefaehr ebenso angemessen gewesen sein wie wenn heut zu
Taoe Deutschland Enaland eine Freaatte zum Praesent ma-
chen wollte. Anders lag der Fall, wenn das von Dionysius dem

1 Seeurkunden S. 27 f.

2 In diese Zeit wollte Boeckh das Geschenk setzen, dem A. Schaefer, De-
mosthenes u. s. z. I. S. 80 gefolgt ist.
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