Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

Seite: 15
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POLITIK DIONYSIUS DES AELTEREN

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Rath und das Volk von Athen gerichtet und durch eine Ge-
sandtschaft hatte ueberbringen lassen, sich auf den Friedens-
congress in Belphi bezog; aus dem Inhalt des Decretes er~
hellt^, was seinem frueheren Verhalten nach zu erwarten war,
dass er denselben empfoblen liatte. Das Schreiben des Tyran-
nen handelte nach Z. 9 f. Tüspl [tvI;] o[u]o§op[i'a; toO ve]w xat
t-?i; eipr'v/i?. Mit Bezug darauf werden Z. 23 ff. Dionysius und
seine Soehne belobt, weil sie ßori6[oüoiv Tvj ßac]Aew? et[pr,]v-/i rtv
eTuortaa[vTO ÄÖ-/ivaiot] x.at AaxeSatgovtot xa’t [ot aAAot EXXrve;]. Ge-
meint ist der im J. 371 erneuerte Antalkidas- oder besser Koe-
nigsfriede1, der also auch die Grundlage der Verhandlungen in
Delphi bildete. Den ausgeschriebenen Worten liegt die Auffas-
sung zu Grunde, dass jener Friede zu Rechte hestehe und von
den Thebanern und ihren Verhuendeten frevelhaft gestoert
werde; diese Auffassung darf als die in Athen und Sparta of-
ficielle bezeichnet werden. Die ßor.östa, um deren Willen Dio-
nysius belobt und geehrt wird, umfasst uebrigens, um dies
gleich hier einzuschieben, mehr als die Bemuehung um das
Zustandekommen des Friedenscongresses, welche die naechste
Veranlassung des uns vorliegenden Decretes war. In dem auf
die Verleihung von Ehrenkraenzen bezueglichen Passus (Z. 26
ff.) wird bestimmt, dass dem Dionysius der Kranz uebersandt
werden solle, welchen ihm das Volk zuerkannt habe. Die De-
cretirung eines Kranzes fuer Dionysius gehoert also einer frue-
heren Zeit an. Ich glaube nicht zu irren wen ich behaupte,
dass dieselbe stattgefunden habe nach den Kaempfen auf dem

1 'H irc’ ’AvTaXxESou s’prjvrj y.aXou[xivri scheint die populaere, ? ßaotXiw; e’-
prjvri oder eiprjvr) ?v ßaatXso; xaTircsjjttpv die ofFicielle Bezeichnung gewesen zu
sein. Die lelztere ist unstreitig die sacbgemaesere. Seit der Schlaclit bei Manti-
nea gerieth der Koenigsfriede in Vergessenheit, nach der Schlacht bei Chaero-
nea trat an die Stelle desselben der gemeine Friede, ? -/.otv? eiprjvrp Die in Ar-
gos gef'undene, aber, wie Dittenberger im Hermes VII S. G7 bemerklich gemacht
hat, in attischein Dialekte abgefasste Inschrift C. I. G. 1118 kann sich, da in
derselben die zotvrj e’prjvr) genannt wird, nicht wie man bisher annahm auf den
Antalkidasfrieden beziehen, sondern gehoert in die Zeit zwischen der Schlacht
bei Chaeronea und dem Uebergange Alexanders nach Asien oder 338 und 334
y. Ch.
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