Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

Seite: 22
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POLITIK DIONYSIUS DES AELTEREN

Kueste. Die Auffassung, wonacli Dionysius aus reiner Gefael-
ligkeit fuer Sparta oder Korinth einige Male ein Huelfscorps
nach Griechenland geworfen habe, wird wie mir scheint dem
Herrschertalent und der politischen Consequenz des Mannes
nicht gerecht.

Nachdem der Congress von Delplii unverrichteter Sache
auseinandergegangen war, warb der persische Abgesandte
Miethstruppen zur Unterstuetzung der Spartaner und ihrer
Verbuendeten an. Zu gleicher Zeit liess Dionysius ein zweites
Huelfscorps in Griechenland landen1. Offenhar standen diese
Maassregeln in engem Zusammenhang mit dem Scheitern des
von Dionysius und Ariobarzanes zusammen herufenen Con-
gresses. Um dieselbe Zeit ist ein Defensivbuendniss zwischen
Dionysius und den Athenern abgeschlossen worden 2. Die in-
schriftliche Urkunde darueber, der Beschluss des Volkes
von Athen ueber den Vertrag, ist in fragmentarischen Zu-
stand auf uns gekommen. Unter den weggehrochenen Thei-
len ist auch der Name des Archon, von dem nur die letz-
ten zwei Buchstaben erhalten sind. Kirchhoff, der die In-
schrift ausfuehrlich behandelt hat3 * *, hat dieselbe auf Oly.
103, 1. 36 8/7 v. Ch. und also auf Dionysius den Aelteren
bezogen, aber die Moeglichkeit zugegeben, dass sie einige Jahre
spaeter und in die Regierungszeit des juengeren Dionysius fal-
le. Als Gruende fuer die fruehere Ansetzung fuehrt Kirchhoff
an, dass an den Uenaeen des Jalires Oly. 103, 1, in welches
die Inschrift, die Beziehung auf den aelteren Dionysius zuge-
geben, wegen der erhaltenen Reste des Archontennamens
nacli Kirchhoffs ueberzeugenden Bemerkungen fallen muss,
der Tyrann fuer seine Tragoedie Ex,Topo; ^urpa in Athen den

1 Xen. Hell. VII 1, 27 f. A. Schaeter setzt die zweite ßorJGeta des Diony-
sius Oly. 102, 4, nach dem oben Bemerkten etwas zu frueh.

2 Gleichzeitig scheint auch mit Ariobarzanes ein Buendniss abgeschlossen
worden zu sein, vgl. Schaefer B. I S. 86 und C. I. A. II n. 94.

3 Philol. XII S. 571 ff. Die Inschrift ist zuerst herausgegeben von Pittakis

in der ’E^. apy, n. 30 und von Rangabis Ant. Hell. II n- 379. VgL C. I. A.

II n. 52.
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