Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

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POLITIK DIONYSIUS DES AELTEREN

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chen und Taxiarchen beschworen zu werden1. In der vorlie-
genden Urkunde fehlte eine dieser Behoerden. Bezieht sich der
Vertrag auf den aelteren Dionysius, so waren hoechstwahr-
scheinlich als Eidesleister neben dem Tyrannen seine Soehne
angefuehrt. Dann waren allem Anschein nach eine oder mehrere
syracusanischeBehoerden genannt.Dass neben derTyrannis der-
artige Behoerden existirten und zu Staatsvertraegen herangezo-
gen wurden, darf nicht Wunder nehmen. Dass die ganze Buer-
gerschaft zur Eidesleistung gefordert worden sei, kommt mir
sehr unwahrscheinlich vor, ein Beispiel dafuer ist mir nicht
erinnerlich. Welche Behoerden aber angefuehrt waren, laesst
sich eben so wenig sagen, als sich ausmachen laesst, ob an der
letzten Stelle die Commandanten der Soeldnergarnisonen genannt
waren, wie Kirchhoff angenommen hat. Z. 37-38 habe ich
Kirchhoff folgend eine Bestimmung ueber die jaehrliche Er-
neuerung der Eidschwuere angenommen. Aber auch dies ist
keineswegs sicher. Es koennte hier — und ich halte dies jetzt
fuer das Wahrscheinlichere — eine Bestimmung gestanden ha_
ben ueber die Eidesformeln. Der Wortlaut koennte gewesen
sein : ogvujyou Ss opy.ou? sTwiywptou; sy.a]Tsoou; tou[? {/.syiCTOu;’ "Xa-
£siv Ss xtX. Die Ordnungszahl der Prytanie, in welcher das
Decret gefasst worden war, ist weggebrochen und laesst sich
aus den Baumverhaeltnissen leider nicht ermitteln 2.

Das Buendniss mit Athen bezeichnet die letzte Wendung in
der griechischen Politik Dionysius des Aelteren. Dieselbe war
bedingt durch die veraenderte Sachlage in Griechenland, die
von der Schlacht bei Leuktra und dem ersten Einfall der The-

1 Vgl. aosser den Stellen bei den Historikern C. I. A. II n. 12. 19. 64. 90.
112. 333.

2 In das Jalir 369 oder 368 setzt A. Schaefer a. a. 0. B. III Abth. 2 S. 146
die athenische Gesandtschaft nach Sizilien, welche erwaehnt wird Dem. p.
1247 (Rede g. Nikostratos), vgl. Sigg, Der Verfasser neun angeblich von De-
mosthenes fuer Apollodor geschriebener Reden im VI. Supplementb. der Jahrb.
f. class. Philol. S. 403 f. Die Angabe ueber die Gesandtschaft des Spartaners Pol-
lis, die in der Ueberlieferung ueber das Leben Platos vorkommt, ist zu schlecht
beglaubigt als dass man sie als historisches Zeugniss verwenden koennte, vgl.
Zeller Die Philosophie der Griechen B. II S. 360 f. d. 3. Aufl.
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