Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

Seite: 29
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DIE DYNASTIE VON KOMMAGENE 29

(ler Mithradates Kallinikos unserer Inschrift kein Koenigssohn
gewesen sein kann, als ungewiss und unwahrscheinlich, dass
dies von Mithradates II gilt, der doch unmoeglich als Knabe
von Augustus auf den Thron von Kommagene aus einem an-
dern Grunde erhoben worden sein kann, als weil das Erb-
recht ihm zur Seite stand. Zweitens heisst Antiochos der
Asiate auf seinen Muenzen Philopator, der Ivoenig Antiochos
unserer Inschrift aber Philometor, was man sich nicht leicht
entschliessen wird mit Waddington als Concipientenfehler bei
Seite zu schieben. Drittens stimmt die Chronologie nicht oder
nur unter Annahme wenig giaublicher Zufaelligkeiten. Antio-
chos der Asiate war ein Knabe, als Yerres Sicilien verwaltete
(Cicero Yerr. 4, 27, 61), in den J. 73 — 71 v. Chr.=681—683
d. St., also geboren um das J. 90 v. Chr.=664 d. St.; er ver-
schwindet nach seiner Absetzung durch Pompejusund derEin-
richtung der roemischen Provinz Syrien im J. 64 v. Chr.=690
d. St.1 Der Mithradates, den Waddington fuer seinen Schwie-
gersohn haelt, war ein Knabe im J. 20 v. Chr. = 734 d. St.,
geboren demnach etwa 34 v. Chr. = 720 d. St., also fast
sechzig Jahre juenger als sein Schwiegervater, was doch mehr
ist als, wie Waddington es bezeichnet, une petite difficulte.

Meines Erachtens fuehrt dasselbe Merkmal, von welchem
Waddington ausgeht, zu einer wesentlich anderen Combina-
tion. Es kann nicht Zufall sein, dass von den Grossvaetern
des Koenigs Antiochus nur der muetterliche genannt wird.
Ganz wie in der smyrnaeischen Inschrift des Koenigs Zenon

1 Aus dem Diodorfragment 7tsp\ iniß. 34 geht hervor, dass der Araberfuerst
Sampsikeramos ihn umbringen liess, waehrend Porphyrio bei Eusebius ihn an
einer Krankheit sterben laesst. Die beiden Berichte sind so zu vereinigen,
dass nach Einziehung Syriens durch die Roemer die Araber die beiden Seleuki-
denprinzen bei sich behielten und dann, ais die Aegvpter sie auf iliren Thron
beriefen, Sampsikeramos seinen Schuetzling entweder umbringen liess oder er
doch in der Haft bei ihm starb, waehrend Philippos sich den Nachstellungen
des Azizos entzög und in der That nach Aegypten gelangte. Dieser Philippos
ist des Grypos Enkel, wie Diodor sagt, nicht sein Sohn, wie der Chronograph
will. Die letzten Vorgaenge der Seleukiden verdienten ueberhaupt noch eine
besondere Behandlung, welche indess liier nicht gegeben wcrden kann.
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