Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

Seite: 65
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ZUR GRIECHISCHEN KUNSTGESGHIGHTE

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stimmungsreichen Yollendung erwecken, die wir in einer
Anadyomene des Apelles voraussetzen diirfen.

Auch die Stelle des Plinius hist. nat. 35, 91 scheint einen
Hinweis auf die vermuthete Behandlung der unteren Theile
der Figur zu enthalten : «Venerem exeuntem e mari divos
Augustus dicavit in delubro patris Caesaris, quae anadyomene
vocatur, versibus Graecis tali opere, dum laudatur, victo sed
inlustrato, cujus infeiiorem partem corruptam qui reficeret non
potuit reperiri, verum ipsa injuria cessit in gloriam artificis.
consenuit haec tabula carie aliamque pro ea substituit Nero
principatu suo Dorotliei manu.» Die Ueberlieferung dieser Stel-
le kann ich allerdings nicht durchgängig für gesichert halten.
Dass ccdurch griechische Verse ein hedeutendes Kunstwerk, in-
dem es gelobt ward, übertroffcn aher zugleich berühmt gemacht
wurde» ist ein Gedanke an und für sich so widersinnig, so
zweckwidrig in diesem Zusammenhang wo es darauf ankam
das Lob des Künstlers zu häufen, so unmöglich bei dem be-
rühmtesten Gemälde der alten Welt, dass er selbst für eine
Sclirulle des Plinius un2;eeio;net erscheint. Man könnte eine Be-
merkung erwarten, wie Philostratos (vita Apoll. IV 16) sie den
Apollonios über die Schönheit des Achilles äussern lässt: zb
Ss xaNNoc, outcco pot, Sozet eTcatve-rou ä^tou STcet'X-ZcpOat vcatTOt Öp.ripou
TcoXXä etc’ aÜTto etTcövTo;, äXXä äpp'/iTOV etvat zat xaraJvEcöcu gaX-
Xov ütcö tou üptvouvTO; v] TcapaTcXriOtto; eauTto a^scOat. Oder : wäh-
rend die Griechen ein solches Werk besichteten, liessen
sie es zu Grunde gehen u. A. m. Was aber Plinius auch
geschrieben haben möge, so wird ein besonderer Grund vor-
ausgesetzt werden dürfen, warum er bei einer verhältniss-
mässig so kurzen Erörterung über das Bild gerade den untern
Tlieil desselben hervorhebt. Handelte es sich blos darum zu
sagen, dass kein Restaurator für dasselbe sich finden wollte
und dass es daher selhst in verdorbenem Zustande den Ruhm
des Meisters erhöhte, so war, da es sicli in Rom unter Aller
Augen befand, vollkommen überflüssig, den an sich unwe-
sentlichen Sitz der Verderbniss anzugeben. Die Erwähnung
der cdnferior pars» erhält einen besonderen Sinn, wenn sie

MiXTH, D. ARCH. 1JNST. I.
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