Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

Seite: 87
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ZUR TOPOGRAPHIE VON MARATHON 87

beiden Schlachtlinien während desselhen, 3tens über das Ter-
rain, auf welchem die Perser flohen und umkamen.

Herodot berichtet YI, 108, dass mit den Athenern, als sie
ev rs^ivc'i; Hpax7io? in Schlachtordnung gestellt waren (Tsxayge-
voi<n), die ganze Streitmacht der Platäer sich vereinigt habe.
Es sei aber noch nicht gleich zur Schlacht gekommen, weil
Miltiades nur die Hälfte der Stimmen für seinen Plan, die
Perser anzugreifen, gehabt habe, bis dann der Polemarch Kal-
limachos aus Aphidnae seine entscheidende Stimme zu Gun-
sten des Miltiades abgegeben. Daraufhin habe Miltiades, aber
erst an dem Tage seines Oberbefehls, die Athener sich zur
Schlacht ordnen lassen. Nach dieser Darstellung müsste das
Heer einige Zeit hei Marathon gelegen haben, obgleich der
Grund der Zögerung nicht klar wird. Es klingt ganz un-
glaublich, dass Miltiades nicht an dem Tage habe kämpfen
wollen, an dem von Rechtswegen eigentlich ein anderer die
Oberleitung hätte haben sollen. Ausserdem ist eine Ueberlie-
ferung erhalten, welche ein gewiss eigenthümliches Licht in
diese Frage fallen lässt. Wir erfahren nämlich, dass dem Aus-
zug der Athener nach Marathon heftige Debatten in der Stadt
vorhergingen. Eine uns durch Corn. Nepos v. Milt. c. 4
überlieferte Nachricht sagt, dass unter den 10 Feldherren in
der Stadt ein grosser St.reit darüber ausgebrochen sei ob man
innerhalb der Stadt sich vertheidigen oder dem Feinde entge-
genrücken und ihm eine Schlacht anbieten sollte. Der frische
Eindruck, den die Zerstörung Eretrias gemacht und die Un-
bekanntschaft mit der Kampfweise und dem Charakter des
persischen Heeres liess es manchem Strategen und vielen
athenischen Bürgern verwegen erscheinen, dass ein so klei-
nes Heer es mit einer solchen Streitmacht aufnehmen sollte.
Auch Miltiades und seine Genossen werden dies gewiss nicht
unbedacht gerathen haben. Die marathonische Ebene hat aus-
ser dem Felde, auf welchem die Perser lagert.en, wie oben nä-
her geschildert ist, einige längliche Seitenthäler, in denen sich
auch ein kleines Heer sicher einem grossen gegenüber lagern
konnte. An eine Schlacht auf offener Ebene und ohne schüt-
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