Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

Seite: 90
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90 ZÜR TOPOGRAPHIE VON MARATHON

Landung der Perser bei Marathon ausgezogen sind, durch
ihren Kampfesmuth die Gemüther der Athener noch mehr
entflammt hatten, führte Miltiades sein Heer im Sturmschritt
»eo-en die durch solches Wagniss überraschten Feinde. Wie
kann man nun daran denken, dass dann noch die Flanken der
Griechen durch Verhaue am Fusse des Kotroni und Argaliki
gegen Umzingelung geschützt gewesen? Wie die Worte des
Cornelius Nepos, vit. Milt. c. 5 : dein postero die sub mon-
tis radicibus acie regione instructa non apertissima proelium
eommiserunt—namque arbores multis locis erant rarae (stra-
tae scheint man früher gelesen zu haben)—hoc consilio, ut et
montium altitudine tegerentur et arborum tractu equitatus hos-
tium impediretur, ne multitiudine clauderentur, einen An-
halt zu solcher Annahme bieten sollen, ist schwer einzusehen.
Die Schilderung der näheren Umstände der Schlacht bei dem
eben genannten Schriftsteller ist sehr rationalistisch uehalten
und vonHerodots Angaben wesentlich verschieden. DieKnapp-
heit des Herodoteischen Berichtes scheint eine Bürgschaft
für die Zuverlässigkeit desselben zu gewähren. Leake Dem.
S. 87 urtheilt, dass «Herodot, welcher nur 6 Jahre nach der
Schlacht das Licht erblickte (?), der einzige Schriftsteller sei,
welchen man in Betreff der Einzelheiten zu Rathe ziehen
müsse, oder der einzige Gewährsmann wenigstens, dem man
unbedenklich Glauben schenken» könne. Es ist nun aber
wohl zu bedenken, dass das denkwürdi'ge Ereigniss möglicher-
weise schon bald mit allerhand mythischen Zuthaten ver-
brämt wurde aehnlich wie bekanntlich die Thaten Alexander
des Grossen. FürHerodots Bericht spricht aber besonders seine
beredte Kürze, und jedenfalls war es den später lebenden
Historikern noch weniger als ihm möglich, durchaus zuver-
lässige Angaben über die Schlacht bei Marathon zu geben. In-
dessen wird es gewiss noch lange namentlich mit Hülfe der
aus jener Zeit stammenden Denkmäler möglich gewesen sein,
den Ort der Schlacht genau zu bestimmen. Darum kann die
von Corn. Nepos a. a. 0. mitgetheilte Nachricht, dass man
über die Ebene zerstreute Bäume zur Belästigung der persi-
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