Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

Seite: 99
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BRONCESTATUETTE AUS CHALKIS

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Arme und Beine zwar ausgedrückt aber nicht erreicht, die
Haltung der Figur ist gezwungen und starr.

Auf den Aussenseiten der heiden Schenkel der Statuette
ist in 3 Zeilen die Widmungsinschrift eingegrahen. Diese be-
ginnt auf dem rechten Schenkel rechtsläufig, setzt sich dann
auf dem linken Schenkel linksläufig fort und geht in der drit-
ten Zeile wieder in die rechtsläufige Schrift über. Mit der
Richtung der Schrift wechselt aucli die Stellung der Buch-
staben, ehenso wie in der oben S. 40 ff. besprochenen archai-
schen Inschrift aus Korinth. Die Lesung hat lange Schwierig-
keiten gemachh wed zufällige Risse und die Angabe der Mus-
keln an den Ivnien mit den Schriftzeichen vermengt wurden.
In dem auf der Tafel beigefügten Facsimile der Inschrift sind
alle nicht zugehörigen Elemente ausgeschieden und nur zu
Anfang der ersten Zeile alles was am Original dem Auge sich
darbietet wiedergegeben worden. Indess kann aucli über diese
Stelle, wie ich jetzt überzeugt bin, ein Zweifel nicht obwalten.
Es ist zu lesen: Aiptcov Moccto; j tw icrgYivtw j avsOsav. Der Name
Atptwv ist unbekannt und die Ableitung dunkel. Man würde
indess nicht wohl thun, wenn man desshalb die Richtigkeit
der Lesung bestreiten wollte1. Auch Maaro? ist nicht belegt,
jedoch erinnere ich mich diesen Namen auf einer Münze von
Dyrrhachium gelesen zu haben. Die Form dveösav entspricht

1 Das erste Zeichen ist sicher als A eingegraben. Der horizontale Strich
über dem 2ten Zeichen setzt sich über dem 3ten Zeichen fort und wird daran
als zufsellig erkannt. Durch eine Verletzung ist auch der Strich durch die un-
tere Hselfte der Rundung des 3ten Zeichens entstanden.—Gelegentlich will ich
versuchen einen andern Eigennamen gegen Vergewaltigung in Schutz zu neh-
men. In der grcessten und wichtigsten unter den Inschriften der Colosse von
Abu Simbel steht am Ende der Name OVAAMO (im Genetiv). Die Lesung steht
durch Abklatsche unumstoesslich fest. Man hat angenommen am Anfang sei der
Buchstabe © aus Versehen nicht eingegraben worden. Mir scheint diese An-
nahme weder probabel noch nothwendig, sondern in der Insdirift O53ap.ov
für E33ap.ou geschrieben zu sein. ou fuer su findet sich einige Male geschrieben
jn kretischen Inschriften, so C. I. G. 2556 Z. 53 i£o3ouaavcss fiir i^oSsüaavres,
in derselben Insehrift Z. 74 ßouXouop.ivoi? fuer ßouXsuopivots, und C. I. A. II
547 Z. 10 o&spYivavi für eiispYeva?. Ich darf indess nicht unerwaehnt lassen,
dass diese 3 Beispiele einer spseteren Zeit angehoeren.
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