Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

Seite: 103
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EXA.MEN ANTIQUITATUM ATHENIENSIUM

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nische Kriegsdienste. So ward er im türkisch-polnischen
Kriege, August 1672, hei Batow von den Tataren gefangen
und bald darauf in die Sklaverei verkauft. Wo er zunächst
diente, erfahren wir nicht. Zu Ende des Jahres 1674 hefand
er sich seit Jahresfrist als Rudersklave auf der Galere eines
türkischen, in Nauplia ansässigen Kaufmannes; da gelang es
ihm nach dem Schiffbruch des Fahrzeuges an der attischen
Ostküste, kurz vor Weihnachten, zu entfliehen. Mit Hilfe al-
banesischer Hirten, die am Cap Sunion wohnten, kam er nach
Athen und fand dort Schutz und Unterkommen hei dem uns
bisher unbekannten venezianischen Viceconsul Filippo del-
la Grammatica von Andros (s. u.). Länger als ein Jahr
blieb Transfeldt in Athen, wohnte eine Zeit lang im Kapuzi-
nerkloster, verkehrte mit dem bekannten englischen Consul
G i r a u d aus Lyon, und lernte dort endlich, wenn nicht alles
teuscht, noch Jakob Spon kennen, welcher zu Anfang Fe-
bruar 1676 mitWheler in Athen eintraf und bei Giraud
abstieg. Wachsmuth hat bereits auf den merkwürdigen Zu-
fall hingewiesen, dass in dem gleichen Jahre 1675 Guillets
Athenes ancienne et moderne erschien, dessen angeblichem Hel-
den de la Guilletiere bekanntlich das gleiche Schicksal türki-
scher Sklaverei angedichtet wird. Dass es sich bei Transfeldt
nicht um Erdichtung, sondern in allem Wesentlichen um
wahre Erlebnisse und eigene Beobachtungen handelt, ist völ-
lig unzweifelhaft. Er benutzte seinen Aufenthalt in Athen zu
einem recht eingehenden, wenn aucli nur theilweise erfolg-
reichen Studium der Buinen, von dessen Ergebnissen uns lei-
der nur noch ein kleiner Tlieil erhalten ist. Später ward er
nach Aleppo verschlagen, blieb aber mit Spon bis zu dessen
Tode (1685) im Verkehr als sein numismatischer Agent in der
Levante; in ähnlicher WTeise war er dann dort für J. P. Ri-
gord (vgl. dessen üissertation historique sur une medaille d’
Herodes Antipas, Paris 1689, S. 5) und für Cuper thätig. In
Aleppo arbeitete Transfeldt auch seine Lebensbeschreibung
aus, leider in bösem Latein, deren erste neunzehn Blätter (die
Erzählung bricht auf dem letzten Blatt mitten im Satze ab)
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