Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

Seite: 129
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DAS SKIRADION AUF SALAMIS

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gara, Atlien und Aegina und die gegenseitige Eifersucht her-
vorrufen musste.

Dass aber auch ein religiöser Zusammenhang zwischen
Salamis und Attika durch Skiron und die skiradische Athene
vermittelt wurde, liegt ebenfalls in jenen Sagen ausgespro-
chen. In dem Temenos der Athene Skiras zu Phaleron war
ein Ort, welcher den Namen Oschophorion führte. Hierher
trugen die 20 Oschophoren ilire Zweige. Der Zug von der
Stadt nach dem Temenos der Athene Skiras feierte die Erin-
nerung an den Auszug des Theseus und seiner Genossen nacli
Kreta; die Oschophoren wurden in den Tempel eingeschlos-
sen, wie Theseus und seine Gefährten einst im Labyrinthe
eingeschlossen waren. Zu diesen soll nun nach Plut. vit. Thes.
c. 17 Menesthes, der Tochtersohn des Skiros, gehört haben.
So erscheint hier also Salamis in demselhen Verhältnisse zu
Minos wie Athen. Dorther sendet Skiros Steuerleute und En-
kel, in Attika geht der Zug von dem Tempel der Atliene Ski-
ras aus. Merkwürdig ist die Sage, dass die Schiffsführer von
Salamis lier geholt werden müssen; es scheint dadurch von
der attisclien Sage eingeräumt, dass Salamis in alter Zeit weit
mehr Macht auf der See besass als Athen; Plutarch a. a. 0.
setzt hinzip dass die Athener damals ihren Sinn nocli nicht
auf die See gerichtet hatten. Im Sinne dieser Sagen dürfen
wir annehmen, dass von den hier und dort mit dem Namen
des Skiron verknüpften Heiligthümern das auf Salamis für
clas ältere galt. So urtheilen auch K. Bötticher (Phil. XXII,
S. 234) und A. Mommsen (Heortologie S. 55 Anm. f). Jün-
ger als diese Culte war die Verehrung der Athene Skiras in
der athenischen Vorstadt Skiron, wie auch die Cultlegende
bezeugt.

Der Cult der Athene Skiras knüpft sich nach der gewöhn-
lichen Annahme hauptsächlich an die Ptlege der Oelbäume.
Ein directes Zeugniss, welches aussagt, dass Athene als Schüt-
zerin der Oelbäume den Beinamen Skiras geführt liabe, ist
nicht vorhanden, denn die darauf bezügiiche Vermuthung
Böttichers a. a. 0. S. 253 schwebt in der Luft. Ein indirec-

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MITTH. D. ARCH. INST. I.
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