Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

Seite: 130
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DAS SKIRADION AUF SALAMIS

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tes Zeugniss hat man zu finden geglaubt in einer Stelle bei
Euripides (Troad. 801. 802 Ki.), allein an dieser Stelle ist
von der Scböpfung des Olivenbaumes auf dem Burghügel von
Athen die Rede. Nacli der attiscben Sage hatte Atiiene auf der
Burg von Athen den ersten Oelbaum hervorgerufen. Freilich
hahen die Alten eewiss eben so wenm wie unsere Forscher

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gewusst uncl wissen können, wo zuerst in Griechenland die
felix oliva angepflanzt worden ist. In den homerischen Ge-
dichten, deren lokale Anspielungen zum grössten Tlieile auf
Yorderasien hinweisen, erscheint vorzugsweise der wilde Oel-
baum. Bass dieser in der Umgegend von Salamis und spe-
ciell in Megara, in dem die scironisehe Sage einheimisch ist,
schon in früher Zeit vorgekommen sei, das zeigt der uralte
wilde Oelbaum auf der Agora der Stadt (Theophr. h. pl.
V, 2, 4; Plin. N. H. 16, 199). Die Cultur des zahmen Oel-
baums meldet sich in den homerischen Gedichten erst an, in
Griechenland selbst wird auch in den hesiodeischen Gedich-
ten von Olivenzucht noch nicht gesprochen. In der späteren
Zeit war Attika der Hauptsitz derselben. Hier geclieh sie, wie
Soph. Oid. Col. 694 fg. sagt, wie nirgends in Asien noch in
der grossen dorischen Insel des Pelops. Sie sollte den trock-
nen, kalkhaltigen weissen Boden (oappo;) lieben, vgl. Bekk.
Anecd. 304, 8 und Pliot. u. Suid. in dem Artikel 2>upo<;. Man
erinnerte sicli nun daran, dass an den Skirophorien weisse
Sonnenschirme getragen wurden und class nach den Schol. zu
Arist. Wesp. Vs. 925 (926) das Bild der sciradischen Athene
weiss gefärbt wurde, und zog daraus den Schluss, dass die
Göttin deshalb Skiras oder Skirras geheissen habe, weil der
Oelbaum auf dem weissen Iialkboden besonders gut gedeihe
(Wachsmuth a. a. 0. S. 441, A. Mommsen a. a. 0. S. 54,
Bötticher a. a. 0. S. 238 u. 247). Es ist nun zu bemerken,
dass den Alten cliese Erklärung unbekannt ist, obgleich sie,
wie namentlich die von Mommsen S. 54. Anm. angeführte
Stelle des Theophrastos Ait. outlz. II 4, 4 zeigt, sehr wohl wuss-
ten, dass der Oelbaum im Allgemeinen einen trockenen Kalk-
mergelboden liebt (Bott. a. a. 0. S. 226). Indessen findet sich
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