Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

Seite: 148
DOI Heft: 10.11588/diglit.29169.11
DOI Artikel: 10.11588/diglit.29169.16
DOI Seite: 10.11588/diglit.29169#0164
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1876/0164
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
148

GESETZ UEBER TODTENBESTATTUNG

führten kei'schen Inschriften aber vor die 2te Hälfte des 5ten
Jahrhunderts zu setzen halte ich wegen der Schriftzüge für
unzulässig, welche wie oben hemerkt wurde von allen Spuren
der Alterthümlichkeit frei sind, wie sie z. B. in dem Vertrage
der Halikarnassier und Salmakiteer mit Lygdamis aus der
Mitte des 5ten Jahrhunderts noch bemerkt werden1.

Die Abfassung des Gesetzes muss nach dem zu den Ein-
gangsworten Bemerkten geraume Zeit früher gesetzt werden
als die uns vorliegende Ausfertigung. Die Tendenz desselben
ist darauf gerichtet, die Bestattungsgebräuche im offentlichen
Interesse zu regeln und die ühertriebenen Aeusserungen des
Schmerzes und der Trauer den geläuterten Vorstellungen
einer fortgeschrittenen Zeit entsprechend auf das richtige
Maas zurückzuführen. Hält man diese Tendenz zusammen
mit dem Entwiklungsgane; des srriechischen Lebens und
der griechischen Sitte, so wird man für ein solches Gesetz in
den Zeiten nach den Perserkrieeen keinen Platz mehr linden.
Unzweifelhaft herrschte wie in den Bestattungsgebräuchen so
auch spaeter in den bezüglichen Gesetzen der griechischen
Städte eine gewisse Uniformität2, aher die Uebereinstimmung
des Gesetzes von lulis mit dem Solonischen Gesetz ist so weit-
gehend, das man nicht umhin können wird anzunehmen das
Werk des athenischen Gesetzgebers sei bekannt gewesen und
berücksichtigt worden bei der Abfassung des Gesetzes von lu-
lis. Aus diesen Erwägungen heraus glaube ich das letztere der
2ten Hälfte des 6ten Jahrhunderts zuschreiben zu müssen.
Dasselbe gehört demnach zu den iiltesten griechisehen Geset-
zen die wir im Wortlaut kennen.

Auf der rechten Schmalseite desselben Steines, auf dessen
Vorderseite das eben besprochene Gesetz eingegraben ist, steht
Folgendes geschrieben :

1 Icli urtheile nach dem genaueu Pacsimile dieser Urkunde, welches New-
ton in den Transactions of tlie R. Societv of Lit. vom 18. Dec. 1867 mitge-
theilt liat.

2 Vgl. Plut. Sol. XXI a. E., wo der Schriftsteller die Conformitaet der
boeotischen und der athenischen Gesetze constatirt.
loading ...