Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

Seite: 202
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ATHENISCHE VERTRAGSUBKÜNDEN

genauigkeit schuldig zu machen, sagen konnte Xenoplion ha-
i>e die Hellenika mit dem Archon Charikleides abgeschlossen,
auch wenn das letzte von ihm erzählte Ereigniss in den
Anfang des nächsten Jahres fiel. Indess in Bezug auf die Plu»
tarchstelle liegt die Saclie doch anders, weil hiei% wenn auch
nicht ganz deutlich, die Schlacht bei Mantinea als Endpunkt
der Erzählung bezeichnet und die Datirung auf diesehezogen
wird. Man muss sich aber erinnern., dass Xenophon und
ebenso die übriaren zeitgenössischen Historiker die Begeben-
heiten ohne Rücksicht auf das bürgerliche Jahr erzählten und
dass es daher für die Späteren schwierig, häufig unmöglich
war die auf der Grenze zweier Jahre liegenden Ereignisse zu
bestimmen; dass Diodor in seiner annalistischen Darstellung
in dieser Beziehung viele und grobe Irrthümer begangen hat,
ist bekannt. Entscheidend für den Archon Charikleides würde
die An°;abe über den Tas; der Schlacht bei Mantinea sein,
wenn diese Angabe, wie bisher allgemein angenommen wor-
den zu sein scheint, zuverlässio; wäre. So verhält sich die Sa-
che aber nicht. An derselben Stelle werden die Schlachttage
von Marathon, Salamis, Platäa, Naxos aufgezählt; von die-
sen Daten sind drei (Marathon, Salamis und Platäa) nach-
weislich falsch; in allen diesen Fällen, die wir zufällig con-
trolliren können, hat der Schriftsteller die Daten der Dankfes-
te mit den Daten der Schlachten verwechselt A In einem
Falle (Salamis) beträgt die Differenz sieben Monate. Die ein-
zige zuverlässige Nachricht über das Datum der mantineischen
Schlacht, die sicli bei einem zeitoenössischen Schrifsteller fin-
det, ist die, dass die Schlacht in die Erntezeit gefallen sei;
aber diese Nachricht ist unbestimmter Natur, da die Erntezeit
nach Ort und Jaliren verschieden ist. Während in Attika
der Weizenschnitt schon Ende Mai heginnt, dauert die
Ernte in den höher gelegenen Gegenden Mittelgriechenlands,
zu denen die Hochebene von Mantinea gehört, bis Ende

1 S. Boeckh, Zur Geschichte der Mondcyclen S. 64 ff.
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