Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

Seite: 210
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DIE ATLA.SMETOPE VON OLYMPIA

eigenem Irrtlium oder durch seinen Führer verleitet, dieselbe
missverstanden hat, und es war ja verzeihlich bei dem Him-
melsträger zunächst an Atlas zu denken, um so melir, da der
holie und dunkele Platz, wo die Metope angebracht war, die
feinereCharakteristikder Personen schwererkennenliess, Damit
ist aber die eigentliche Situation noch immer nicht erklärt.
Dachte sich der Künstler dieselbe so, dass die Verhandlung
zwischen Atlas und Herakles begonnen hat, wie Pherekydes
sie überliefert? Unmöglich ist dies nicht. In dieser Weise,
konnte Herakles sagen, ist es unmöglich, auf die Dauer den
Himmel zu tragen ; soll dies geschehen, so ist eine andere
Einrichtung nöthig. Dann wäre das Metopenbild die Dar-
stellung dessen, was der auf dem Spiegelbilde dargestellten
Scene unmittelbar vorherging.

Dass dem Stil der olympischen Metopen ein gewisser liu-
moristischer Zug nicht fremd ist, beweist das Fragment
mit dem ins Fass geschlüpften Eurystheus, und wenn ich
auf der Atlasmetope den Herakles ansehe, welcher die
ganze Welt nacli den goldenen Aepfeln durchwandert hat
und dem sie nun dicht vor das Gesicht gehalten werden,
oline dass er im Stande ist zuzugreifen — so kann ich nicht
anders als auch liier einen Zue; von Humor erkennen, der
sich an die durch Pherekydes bekannte Ueberlieferung an-
schliesst.

Endlich diedritte Figur, die freundlicli mitstützende Jung-
frau. Unverkennbar ist in ihrem Kopfe eine grosse Aehnlich-
keit mit dem nymphenartigen Kopfe, welehen wir auf der
Ilückseite der arkadischen Landesmünzen fmden. In der ge-
senkten Rechten trug sie einen Zweig, wie das Bohrloch zeigt
imd ein Vorsprung am Gewande, welcher den Zweig stützte.
Dadurch war sie als Baumnymphe gekennzeichnet, als Hes-
peride, welche hierher gehört, um den Ort anzudeuten und
den Zusammenhang, welchem die dargestellte Scene einzu-
reihen ist. Die Hesperiden erscheinen imnier dem Herakles
günstig; sie reichen ilini die Aepfel, sie bieten ihm Tänien.
Auf cler Asteas-Vase erscheint Melisa, wie die Metopennym-
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