Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

Seite: 212
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DIE ATLASMETOPK VON OLYMPIA

wir, trotz der gezwungenen Haltung, welche durch das
Stützen motivirt ist, den Eindruck einer edelen Anmuth, ei-
ner frisch n Naivität, vvie sie uns auch in der sitzenden
Nvmplie des Louvre entgegentritt. In schlichter Weise ist
auch der Kopf des Mädchens dargestellt mit dem leicht
gewellten Haar.

In der Gestalt des Herakies erkennt man, wenngleich der
Brustkasten und die Rippen niclit ganz correct sind, eine si-
chere Beherrschung der Form ; die Rückenlinie zeigt schon
ganz ftiessende Umrisse. Der Gegensatz der beiden Männer,
des schwer beladenen und des in vornehmer Haltung heran-
schreitenden ist vortrefflich charakterisirt.

Yon hesonderem lnteresse ist die Kunst der Gruppirung.

Metopenbilder mit drei stehenden Figuren neben einander
boten dem Künstler ganz hesondere Schwierigkeiten dar, weil
es nicht leicht war, sie zu einer Handlung zu verbinden und
bei gleicher Höhe Haupt- und Nebentiguren sicher zu unter-
scheiden.

Als Nebenfiguren bei Heraklesthaten denken wir zunächst
an Ortsnymphen nach Anleitung der grossen Marmorschale
von Villa Albani l, deren Wichtigkeit für die Metopen des
Olympieion schon Rathgeber und Welcker hervorgehoben
hahen. Hier finden wir Nemea mit der Palme, Lerna oder
Amymone, Bispania oder Erytheia, die durch einen Schild
charakterisirte Landesgöttin von Argolis u. a. Die Benennung
der einzelnen Figuren ist vielfach unsicher, die Motive aber
sind klar, und dass auch in den Metopen von Olympia sol-
che Zuschauerinnen vorhanden waren, zeint die von Forch-
hammer zuerst erkannte auf dem Felsen sitzende Ortsnymphe
des Louvre. Andere Fragmente, von den Franzosen gefunden
und in dem Werke der Expedition de la Moree kurz he-
schrieben (partie d’un sein droit, sommet d’une tete chevelue
etc.) mögen ähnlichen Gestalten angehören.

Diese Nebenfiguren waren entweder nur Zeugen der Hand-

1 Millin G, M. t. CXl ü'.
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