Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

Seite: 221
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DER PROPYLßEN

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schichten, wie bei allen Thür- und Fensteröffnungen in den
Propyläen, oder wenigstens Epistylhöhe hahen. Warum
schneidet aher der innere Block plötzlich mit der Innenkante
der Ante ab, so dass üher der Ante ein Auflager in den Di-
mensionen des lialben Antenkörpers entsteht? Die einzige
Lösung ist die, dass der Epistylbalken nicht in der Axe
der Wand nach Westen, sondern im rechten Winkel dazu
nacli Norden lag. Der nach aussen liegende Block die-
ser Schicht musste alsdann natürlich mit der Aussen-
kante der Ante abschneiden. Dieser Epistylbalken konnte
nun freilich nur wenig mehr Stärke liaben, als die Sei-
tenfläche der Ante (0,50 -f- das Maas, welches der Balken
über die Aussenkante der Ante xorspringt), ein auffälliger
Umstand, der aber, wenn die Ante schon stand, und man
dennoch den Balken statt nacli Westen nach Norden legte,
durch die Noth geboten war.

Nun entsteht aber die Frage, ob überhaupt eine Epistyl-
verbindung zwischen Ante, Pfeiler und Säule möglich ist.
Bötticher leugnet sie, einmal weil die Seitenfläche dcs Pfei-
lers breiter sei als die der Ante, dann weil die Säule zu weit
nach Westen vorrücke. Diese Bedenken sind rcin tektoni-
scher Art, können also über die Möglichkeit einer Verhindung
nicht entscheiden. Untektonisch ist eine solche gewiss, tech-
nisch aber vollkommen möglich, denn die Stirnfläche des
Pfeilers lag in einer Flucht mit der der Ante, die Mitte der
letzteren in einer Flucht mit dem Centrum der Säule, so dass
eine Yerbindung durch einen Balken in der Stärkc von ca.
0,50, wie ihn das Auflager auf der Ante verlangt, durchaus
keiner Schwierigkeit unterliegt. Dass der Pfeiler eine grösse-
re Stärke als der Epistylbalken hatte, scheint nur ein Noth-
behelf, um die Stütze nicht zu zerbrechlich erscheinen zu las-
sen. Sollte sicli aher der Block mit der Bettung 'des Pfeilers,
wie Bötticher meint, wirklich nicht in situ befmden, so liesse
sich an dieser Stelle eine andere, vielleicht schicklichere
Stütze substituiren.

Manchem meiner Leser wird mein Verfahren etwas radical
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