Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

Seite: 224
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UEBER DEN SÜEDFLÜEGEL

ipiino' des llallenbodens verlangt liatte, sclion einen Werkzoll
anbrachte, wie es nach Iüirzung der Halle nothwendig wurde,
da nun diese Fläche zu Tage trat. Das Krepidoma wurde, wie
wir schon oben sahen, in seiner ursprünglich beabsichtigten
Ausdehnung ausgeführt, ebenso das über den Säulen liegende
Gebälk, welches sich dann über einer vierten Siiule oder, wie
wahrscheinlicher, über einem dem Wandpfeiler der Nordhalle
entsprechenden freiKstehenden Pfeiler verkröpfte E Den Be-
weis hierfür liefern zwei aus dem Tliurme gezogene zur Süd-
halle gehörige Ecktriglyphenstücke, welche sonst in keiner
Weise unternebracht werden können. Man suclite hierdurch

O

die äussere Symmetrie trotz der Kürzung möglichst zu
wahren.

Was, fragen wir nun, war wol der Grund dieser Planver-
änderung? Es bleibt uns keine Antwort als die, dass man die
Kürzung vornahm, um einem andern Gebäude, welches beim
Entwurfe des Propyläenbaues nicht berücksichtigt war, also
noch nicht bestand, während des Baues aber begonnen oder
wenigstens projectirt wurde, nicht zu nalie zu rücken. Denn
dass man bei Bearbeitung eines so durchdachten Planes, wie
desjenigen derPropyläen, ein schon bestehendes Gebäudenicht
berücksichtigt hätte, ist undenkbar. Dieses Gebäude selbst kann
aber kein anderes sein, als der Tempel der Athena Nike.

Wir sind somit auf die Frage nach der Erbauungszeit des
Tempels der AthenaNikegeführt worden. Die gebräuchlichste,
besonders von Michaelis (Arch. Zeit. 1862 p. 260 ff.) vertre-
tene Ansicht setzt ihn in die Kimonische Zeit oder lässt ihn
doch vor Beginn der Propyläen vollendet sein. Man hat auf
den baulichen Charakter des Tempels hingewiesen: er sei
eins der ältesten Beispiele der attisch-ionischen Bauweise :
die Säulen seien noch wenig schlank, dabei stark verjüngt,
die Capitelle hoch und schwer, es felde ihnen auch der An-
themienschmuck des Halses, der untere Torus der Basis sei

1 Man hält dic Gebälkverkroepfung gewoelmlich für roemisclie Eriindung. Den
Beweis dafür hat hisher aher nocli Niemand geliefert.
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