Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

Seite: 226
DOI Heft: 10.11588/diglit.29169.23
DOI Artikel: 10.11588/diglit.29169.27
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UEBER DEN SUEDFLUEGEL

angenommen, dass dieser Pyrgos ursprünglicli wenigstens nach
Norden hin eine grössere Ausdehnung gehabt iiabe, und dass
er erst später, um ihn in eine Flucht mit dem Unterbau der
Propyläen zu hringen, coupirt worden sei, und daher die un-
regelmässige Form erhalten hahe. An eine derartige Cou-
pirung zu denken ist aher ganz unmöglich, indem sonst
die Blöcke der Yerkleidung, welche ja hekanntlich nur an den
Stosskanten schliessen, nicht mehr schliessen würden : hier
sind aber alie Fugen scharf geschlossen, auch bilden sie mit
der Stirnfiäche der Blöcke einen rechten Winkel, so dass hier
eine Coupirung, durch die ein schiefwinkeliger Fugenschnitt
entstehen würde, nicht stattgefunden haben kann. Ebenso
wenig dürfen wir aber mit Bötticher (a. a. 0. S. 60) an einen
Vorbau an der Nordseite des Pyrgos denken, denn dieFügung
der Blöcke zeigt, dass die Nord-und Westverkleidungzu glei-
cher Zeit entstanden sind, und zwarmusste diese Verkleidung
hergestellt werden, ehe der Tempel oben stand, weil sein
Standort eine spätere Ausführung der Verkleidung nicht zu-
lässt. Da ferner die Verkleidung der Nordseite einfach nacii
dem Unterbau der Propyläen regulirt ist, wodurch jener nun
nicht mehr auffällige Winkel von 108 l/2Grad entsteht, kann
dieselbe und also aucli der Tempel nicht vor dem letzteren
erbaut sein, sondern musste mindestens gleichzeitig aufge-
führt werden. Wäre sie aber nleichzeitio’ so würde sie mit

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dem Unterhau in Verbi nd lieo-en. Da dies aber nicht der Fall

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ist, sondern die Verkleidung stumpf an den Unterbau stösst,
ist erwiesen, dass erstere nichtnur mindestens gleichzeitig mit
letzterem, sondern später entstanden sein muss.

Wie der ganze Pyrgos, so stösst auch die kleine vom
Hauptaufgange der Propyläen zur Tempelterrasse führende
Ireppe stumpf an den Propyläenunterbau. Dass diese antik
sei, kann jetzt nicht mehr bezweifelt werden, nachdem die
Lehre der Balustrade auf der abschliessenden Corona und ein
Bruchstück des Knies der Balustrade selbst aufgefunden wor-
den sind : vgl. Kekule, Balustrade S. 22 n. 3 und Schöne,
daselbst S. 41 i. Böttichers Angabe (a. a. 0. S. 52), dass der
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