Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

Seite: 244
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VON DEN GRIECIIISCHEN INSELN

hältniss der Bevölkerung das umgekehrte gewesen. Thera
zahlte als Mitglied des athenischen Seebunds bis 01. 88., 4 3
Talente, von der Neuschätzung an 5, wogegen Melos damals
mit 15 angesetzt ist. Beigetreten war Thera erst 88,2, wäh-
rend Melos sich bis 416 unabhängig erhielt, wro es den Athe-
nern erlag (Köhler Urk. d. Del-Att. Seebunds S. 146). Athen
betrachtete sich damals als Herrin des aegeischen Meeres, und
die dorischen Kykladen darum auch naturgemäss als Ange-
liörige seines Seebunds, dem sich Melos nur widerrechtlich
entzogen hätte, weshalb es auch ohne noch Tribut gezahlt zu
haben in die Schätzungsliste eingereiht wurde. Wenn man
erwägt, dass Kimolos Pholegandros Sikinos besonders aufge-
fulirt werden, erscheint die Summe von 15 Tal. hoch. Ross
(Inselr. II 16) wurde seiner Zeit durch das von Tliuk. V 114.
116 für die Stadt gebrauchte ywp'ov veranlasst, die Bevölke-
rungszahl der Insel zu unterschätzen. Allein die Anzahl der
von Athen gesandten Kleruchen, 500, auf welche er sich um
seine Meinung zu stützen glaubt berufen zu können, gibt
grade erwünschten Aufschluss über die Ertragsfähigkeit der
Insel. Um von zahlreichen Plätzen, wohin attische Kleru-
chen geschickt wordensind, nur einen anzuziehen, so hat An-
dros bis 01. 82,2 12 Tal. bezahlt, nachdem es aber 250 Kle-
ruchen erhalten in den nächsten Jahren bloss 6, um dann
mit der Schätzung von 88,4 auf 15 zu kommen (Kirchhoff
Tributpflichtigkeit der att. Kleruchen S. 28). Einen höheren
Satz verlangten aber auch die Athener von Melos nicht. Ueber-
haupt hat vom Tribut der Aegineten abgesehen, der aller-
dings einer Contribution nleichkommt in Athen auch in der
Schätzung von 88,4 der Grundsatz Geltung geliabt, zwar ho-
lie Summen von den Bundesgenossen zu fordern, aber doch
solclie welche zumal in den bald nachher eingetretenen Frie-
densjahren nocli gezahlt werden konnten. Es zeigt sicli dies
namentlich bei den Städten der Chalkidike, welche zur Zeit
der Neuschätzung auf spartanischer Seite standen, ohne

Curtius Gr. Gesch. II4 246.
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