Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

Seite: 245
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VON DEN ÜRIECHISCHEN INSELN

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darum höhere Sätze zu bekommen als nicht abgefallene
Städte. Wollte man aber selbst in unserem Falle in den 15
Tal. der Melier eine Ueberschätzung zugestehen, so ergibt sicli
aus der Tributsumme des benachbarten Siphnos, dass diese
Ueberschätzung keineswegs bedeutend sein konnte. Ohne
recht beträchtliche Mittel liätte Melos dem Angriff des Nikias
niclit erfolgreichen Widerstand leisten können, so dass man
später eine zweite stärkere Expedition ausschicken musste.

Dass aher Melos lieute nicht mehr so ertragsfähig ist als im
Alterthum, steht ohne Zweifel mit der vulkanischen Thätig-
keit der Insel wenigstens theilweise im Zusammenhang. Yerö-
dete docli Zephyria (riaXaia Xwpa) ostwärts von der grossen
Bucht in einer fruchtbaren und früher gesunden Gegend als
Hauptstadt durch die Venetianer angelegt, ersfc seit Anfang des
vorigen Jahrhunderts ; heute ist es unbewohnt. Die Bevölke-
rung lebt jetzt zusammen im nordwestlichen Tlieil der Insel
in dem Städtchen Kastro, dem Hafen Adamanta, und ein
Paar dazwischen gelegenen Dörfern. Das alte Melos hatte
gleich den nördlichen Kykladen auch nur Eine Stadt, doch
lassen sich in allen Theilen der Insel nocli Spuren ldeinerer
antiker Ansiedelungen aufweisen.

Der alten Stadt gegenüber an der Südseite der grossen IJa-
fenbucht Iiaben durch vulkanische Kräfte starke Verände-
rungen der Küste stattgefunden, wobei eine grosse früher an-
gebaute Strecke ins Meer gesunken ist. Gleicli südlich von
Cap Kalamari bei der Kapelle des Ä. AYigvyrpio; sind c. 40 Mr.
von der Küste Spuren von offenbar hellenischem Mauerwerk
auf dem Meeresgrund sichtbar, ebenso südwärts davon bei
ÄaTrpozaßo;. In der Mitte zwischen heiden Punkten trifft man
an der sanft aufsteigenden Küste gleichfalls auf Reste einer
antiken Ortschaft. Eine weitere Ansiedelung, deren Namen sich,
wie es scheint, in der heutigen Bezeichnung dcr Küste Eu,7to-
ptov erhalten hat, lag südwärts von Äcr:pox.aßo; am Meere U Zu

1 Auf der englisclien Seekarte ist diese Stelle fälschlicli Rivari benannt; Ri-
vari heisst vielmehr der sandige Yorsprung an der Küste 1/4 Stunde östiich da-
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