Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

Seite: 263
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IM ZWEITEN JAIIRHUNDERT

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schwand jede Hoffnung auf eine Wiedererlangung der alten
Besitzungen. In der Folge, als Ptolemaeos Euergetes den Plan
seiner beiden Vorgänger in der Herrschaft zur Ausführung
brachte und das segeische Meer zu einem aegyptischen See
machte, sind die drei Inseln yermuthlich unter aegyptischen
Schutz getreten, zumal da die traditionelle Politik der Ptole-
maeer eine Atlien freundliche war. Dieser Umstand machte es
auch möglich, dass, als die Athener sich nach dem Tode des
Königs Demetrios \on Makedonien mit Arats Hülfe der make-
donischen Besatzungen entledigten (229 v. Ch.), die Kleru-
chengemeinden auf den drei thrakischen Inseln in den Ver-
band mit der Metropole zurückkehren konnten. Dies folgt
für Lemnos aus dem schon erwähnten Decret der Gemeinde
von Hephaestia, einem Beschlusse zu Ehren eines athenischen
Bürgers, für welchen wie in anderen Fällen die Sanction (s7a-
x’jpwst;) der athenischen Volksversammlung nachgesucht und
der dann aucli in Athen aufgestellt worden vvar.

Wir haben keinen Grund anzunehmen, dass die Inseln in
den nächsten 3 Jahrzehnten von Athen wieder getrennt wor-
den seien. Nach dem Ausbruche desKrieges zwischen den Rö-
mern und Philipp von Makedonien aber sind sie von dem
letzteren besetzt worden. Dies ergibt sich für Lemnos mit Si-
cherheit aus dem späteren Friedenstractat. Indess ist Philipp
bei der Besetzung gewiss nicht stehen geblieben. Erinnert
man sich seines Verhältnisses zu Athen, dass die Athener
schliesslich den Römern den formelien Grund zur Krieofser-

O

klärung geliefert hatten, so wird man mir wohl niclit wider-
sprechen, wenn ich behaupte, dass die attischen Kleruchen
von Philipp vertrieben worden sind. Unter dieser Voraus-
setzung allein lässt es sich begreifen, wie die Römer dazu
kommen konnten in dem Friedenstractat Lemnos für frei zu
erklären L Welche besonderen Umstände bei dieser Entschei-

1 Dass im 3 ten Jalirhunrlert die Insel von den Kleruclien niclit geräumt wor-
den ist, ergiebt sich mit Sicherheit aus der oben angcführten Stelle des Phv-
larch.
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