Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

Seite: 281
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ZUR PERIEGESE DER AKROPOLIS

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winnen lassen; sei vorgebaut, so würden alle Stossfugen
rechtwinklig zur Nordseite stehen, sei coupierfc, so würden
sie sich schiefwinklig und der Westseite des Unterbaues par-
allel zeigen. Ich bezweifle keinen Augenblick, dass Ersteres
der Fall ist (vgl. die Nebenzeichnung des Aufrisses bei i),
bezweifle aber sehr entschieden, dass daraus ein solcher
Sclduss gezogen werden darf. Ist denn eine Coupierung —
ich habe übrigens diesen Ausdruck nicht gebraucht —- nur
so denkbar, dass man gleichsam mit einer grossen Steinsiige
das vorhandene Massiv von Quadern durchschneidet? Ich
hatte mir natürlich den Vorgang bei der verinutheten Verkür-
zung des Unterbaues so gedacht, dass man das unbrauchbare
Stück desselben abtrug und die neue Nordseite in der Flucht
des Südflügels der Propyliien von Neuem aufführte, wo denn
die Stossfugen nothwendig rechtwinklich zur Aussenseite zu
stehen kamen. Dass dies Verfahren unstatthaft sei, wird sich
doch wohl kaum behaupten lassen4.

Wenn man nun die Westseite der Nikebastion, jener vor-
hin erwähnten Spur folgend, gegen Norden verlängert, so
trifft diese Linie, wie man sich auf dem grossen Plan der
Propyläen von Willson (Penrose Taf. 27) überzeugen kann,
genau die Nordwestecke (F) der sog. Pinakothek, des Nord-
flügels der Propyläen. Dieser Punkt ist durcli einen vor-
springenden Felsblock grade so von der Natur gegeben, wie
die Nordwestecke der ßurgmauer (G), oder wie der Unterbau
der Atbena Nike, dessen Felskern sowohl an der Südseite wie
im Innern der beiden westlichen Nischen deutlich zu Tage tritt.
Es lohnt sich also wohl zu fragen, ob niclit die Bastion, auf

4 Aucli Wachsmuth Stadt Athen I, 540 Anm. 3 nimmt eine Aenderung in der
Gestalt der Bastion aut' Anlass des Propvläenbaues an. Vgl. Kekule Balustrade
S. 35 ff., dessen Annahme, dass die Bastion einst nicht hloss nacli Norden
sondern auch nach Westen weiter vorgeschoben gewesen sei, wegen der alten
Wegspuren bei D wenig Wahrscheinlichkeit hat. Bei der beträchtlichen Iloehe
des 7:üpyo; unterhalb des Niketempels (9.35 M. bis auf den Felsboden) konnte
letzterer, obschon scharf an den Rand vortretcnd, doch der Vertheidigung
kaum hinderlich sein.
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