Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

Seite: 309
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DIE AUSGRABUNGEN IN MYKENE

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gang zeigt die gleiche Construction wie die erste Tholos;
darüber die dreieckige Oeffnung. Seine Tiefe beträgt 4 Meter,
die Breite über 2 4/2. Die Thür ist 5 4/2 Meter hoch, ihr
Schwellenstein hat die Breite von 0,80. An der rechten Seite
des darüber liegenden Querbalkens bemerkt man nocli in fla-
chem Relief einige nach unten gerichtete halbkreisförmige
Zacken, die zur ornamentalen Auschmückung geliört haben
müssen. Von der Verkleidung der Pfosten fand sich im Thor-
gange das Fragment einer Halbsäule aus grünlichem Stein
(Durchmesser 0,40) mit den Voluten und Zickzackverzierun-
gen, wie wir sie vom « Schatzhause des Atreus.» her an den
in München und im British Museum betindlichen Stücken
kennen. (Exped. de Moree, II Pl. 70.) Die Wandflächen des
Innern zeigen keine Spur von Metallbefestigung. Fünf kleine
und dünne Bronzeplättchen, die man daselbst fand, können
nicht wohl davon herrühren.

Der Fussboden soll sich nach der Mitte zu um 30 Centime-
ter gesenkt haben. Zur Zeit meiner Anwesenheit war tiefer
hinabgegraben worden, in der Hoffnung, liier eine ähnliche
Vorrichtung zu finden, wie in der grösseren Tholos *, docli
anscheinend ohne Erfolg. Noch sind der lland und die Wän-
de bis zu ansehnlicher Höhe mit Schutt und Steinblöcken ver-
deckt; über die Existenz einer Grabkammer lässt sich somit
vorläufig nicht urtheilen. Die Schwierigkeiten, welche der
in hohem Grade wünschenswerthen völliffen Aufräumun^ im
Wege zu stehen scheinen, werden sich hoffentlich beseitigen
lassen. Einmalwar nämlich von technischer Seite die Befürch-
tung ausgeprochen worden, die Steinkreise möchten den
Druck der äusseren Erdmassen nicht aushalten ; sodann stiess
man vor der Parallelmauer des Einganges auf antikes Mauer-
werk, dessen Abbruch die Regierung nicht gestattete, so dass
die Beseitigung grösserer Stein- und Erdmassen nur mit un-

1 Hier hatte Herr Schliemann bereits im vorigen Jahre einige Platten ausge-
graben, die eine Opfergrube umgeben zu haben scheinen. Gegenwärtig sind die
Steine aus ihrer Lage gerückt.
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