Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 1.1876

Seite: 320
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DIE AUSGRABUNGEN IN MYKENE

lief eine ungleich grössere Entwickelnng der einzelnen Theile
voraus, was freilich ehenso gut in clen Dimensionen und dem
in höherem Sinne monumentalen Charakter desselben be-
gründet sein kann.

Die Funde in Gold (und anderm Metall) bieten, allein
für sich hetrachtet, einer definitiven Beurtheilung hin-
sichtlich ihrer kunstgeschichtlichen Stellung auf den ersten
Blick wenig sichere Anhaltspunkte, und haben daher bis-
weilen Befremden erregt. Das vorliegende Material ernibt
aher thatsächlich zunächst, dass diese Gegenstände mit den
hisher Genannten solidarisch zusammengehören. Abgesehen
von kleineren Sachen, die auch an andern Orten zerstreut
zum Vorschein kamen, haben sich die Funde aus edlem Me-
tall nur in der Tiefe von 8 Metern und mehr in unmittelbarer
Nähe der menschlichen Ueberreste eezeio-t, neben denen sich
auch die erhaltenen Thono-efässe, über denen sich die theil-
weise mit Reliefs versehenen Platten vorfanden. Ehe ich
näher auf das Einzelne eingehe, schicke ich zur allgemeinen
Charakteristik voraus, dass meiner Ueberzeugung nach
sämmtliehe Gefässe, Zierrathe und Bekleidungen aus Gold,
vielleicht einige Schmucksachen, Ringe u. s. w. ausgenom-
men, eigens für den Todtenapparat gearbeitet waren,
und keinerlei praktische Verwendung zuliessen. Daraus er-
klärt sicli aucli die Dünnheit des gepressten oder getriebenen
Materials.

Selbst die Schwerter, deren Griffe mit Goldblech um-
wickelt waren, können so nicht benutzt worden sein; ebenso
wenig ein Wehrgehenk aus dünnen Golde (1,20 lang 0,04
breit), an dem noch der Rest eines Schwertes hing. Diese
Waffen sind meist zerbrochen; ausser einem goldenen Helm
von ähnlich leichter Arbeit finden sich Waffen aus Stein, be-
sonders Pfeilspitzen vertreten. Das Metall der Schwertklingen
ist Bronze. Von Eisen scheint sich überhaupt keine Spur ge-
funden zu haben.

Knöpfe aus Knochen mit Goldüberzug haben sich verein-
zelt als Schmuck der Schwertgriffe vorgefunden, ausserdem
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