Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

Seite: 41
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AUS DEM JAHRE J67&

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Ursache zum Bau des neuen Baches; die Form des Tonnen-
gewölbes war die bequemste und Im Orient für lange Hallen
geläußgste. Dasselbe war schwerlich so eingerichtet, dass die
Mittelwölbung höher aufsetzte, als die andern ; denn abgesehen
von der alsdann noch schwierigeren Verbindung mit der niedri-
geren Apsis verlor es zu sehr an Festigkeit: die oberen Siiulen
welche den Druck dann allein zu tragen gehabt hatten, erman-
gelten des nöthigen Widerlagers, und waren bei ihrem Durch-
messer, der keineswegs grösser sein konnte, als derjenige der
unteren Säulen (0,66 M. nach Wilkins), vermuthlich jedoch
kleiner war, garnicht im Stande, eine -solche Last ohne seit-
liche Unterstützung allein zu tragen. Wahrend wir also beim
Tempel anzunehmen geneigt sind, dass die obere Säulenstellung
wie wir es z. B. in Pästum sehen, erst fast in der Epistylhöhe
aufsetzte, (die Reconstruction bei Michaelis ist mir unwahr-
scheinlich) reichte sie in der Kirche nur bis zu derselben ;
daraus erklärt sich, warum man die alten Innensäulen beim
Neubau nicht verwerthen konnte, und warum der Durchmes-
ser der neuen so klein ist, ihrer geringen Höhe entsprechend :
da die Seitenschiffe durch die in der Höhe der unteren Säulen
durchgezogene Frauengallerie noch quer getheilt waren,
musste allerdings das Ganze in dieser Umformung einen sehr
gedrückten Eindruck machen. Das mittlere Tonnengewölbe er-
hob sieh natürlich bedeutend über die beiden seitlichen ; es
musste bei einem Durchmesser von nahe an 10 Meter (das
Mittelschiff hat 9,83 M. innere Breite) 5 Meter Höhe haben,
überragte demgemäss bei unmittelbarem Aufsatz aufs Epistyl
die Höhe der Giebel schon um mehr als einen Meter. Diese
Massverhältnisse machten also auch eine Erhöhu tm des Daches
über dem Tonnengewölbe zur Nothwendigkeit, und so erklärt
sich dessen Aussehen auf unserer Zeichnung. Ueber dem Opis-
thodom, der ja noch seine flache Decke hatte, konnte die alte
Dachrichtung beibehalten werden ; das hohe Dach überspannte
alsdann den Naos bis nahe an den Ostgiebel (die Zeichnung
in der Gas. urcAeoA rückt es noch näher an den letzteren
heran, als die unsrige); daraus, dass zwischen dem hohen
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