Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

Seite: 52
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Heil ihre Macht auch in der Menschenwclt, indem sie die
Geister erregt. Sie erweckt die Musik, wie sie in dem flöten-
spielenden Siien dargestellt ist; sie begeistert ihre Dienerin-
nen zu fanatischen Tänzen, und diese Machtsphäre ist in den
Reliefs ausgedrückt, welche wie der Thierfries symmetrisch
geordnet sind. Die sechs Figuren der langbekleideten Tänzerin-
nen entsprechen sich genau ; die der oberen und die der un-
teren Felder sind identisch und ebenso entsprechen sich die
mittleren Figuren rechts und links. Wir erblicken in charak-
teristischen Stellungen die Tänze, welche von dem dienenden
Tempelpersonal der Göttin zu Ehren aufgeführt wurden. Sie
zeigen den höchsten Grad ekstatischer Erregung, wie sie
den asiatischen Culten eigen war, während die strophische
Responsion den Geist der Ordnung ausspricht, welcher nir-
gends fehlt, wo hellenische Kunst waltet. Vielleicht sind die
Reliefs als Stickereien eines herabhangenden Teppichs oder
Vorhangs zu denken.
So stellt uns die vorliegende Terracotta auf engem Raum
ein inhaltreiches, mannigfach gegliedertes Ganze dar, in sich
eins und übersichtlich, eine echte Composition griechischer
Kunst, durch und durch wohl durchdacht, aber in an-
muthiger Freiheit des Stils, die auf eine Entstehung in
hellenistischer Zeit hinweist. Das Relief ist zugleich ein
merkwürdiges und in seiner Art einziges Denkmal des Cul-
tus der grossen Göttin. Es ist die sardische Göttermutter,
welche vom Sipylos her den Hermos herunter in das Tief-
land loniens vorgedrungen ist, die in Phokaia, Smyrna, Ma-
gnesia, Lampsakos, Kyzlkos herrschte, von der die (( Metro-
polis )) genannten Städte in Phrygien und Lydien ihren Namen
hatten. Die culturgeschichtliche Bedeutung ihres Dienstes für
Griechenland habe ich an einem andern Orte deutlich zu
machen gesucht A E. GLRT1US.

- Ueber Jen religiösen Charakter der griech. Münzen. (Monatsber. der K.
Pr. Akad. d. Wiss. t869) 578.
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