Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

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DIE ANTIKEN

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sind., doch ist das Fliessen so ohne Weiteres nicht sichtbar,
es macht vielmehr den Eindruck, als ob das Wasser still-
stehe. ln einer Tiefe von 6,00 Metern unter dem heutigen
Strassenniveau zieht sich die Cloake auf der rechten Seite der
Schmiedegasse hin; die Luftschachte, welche in den Häusern
daselbst zu sehen sind, kennzeichnen ihre Richtung, lassen
aber, des angestauten Wassers wegen, das Gewölbe des Canals
nicht mehr sehen. Ehe der Eisenbahnhof angelegt und die
Ausgrabungen hei der h. Triada vorgenommen wurden,
quoll die Jauche der Cloake in Folge der Stauung in der
Nähe des Treiber'sehen Hauses hervor, und wurde zur
Bewässerung und Düngung der unterhalb in der Ebene lie-
genden Felder benutzt.
Bei den Ausgrabungen am Dipylon stiess man auf die
Cloake. Ein halbkreisrunder Marmorblock und ein in der
Mitte stehender viereckiger Pfeiler mit Falzvorrichtung
schliessen sie hier thorartig ah. Daran anstossend ist der Ca-
nal mit grossen Piräusquadern nach dem System der Taf.
VHI 16 überwölbt. Hierauf folgt auf 5,60 Meter Canallänge
das System der Taf. VHI 15 und hier anschliessend setzt
sich wieder das Gewölbesystem der Taf. VHI 16 weiter fort.
Der Unterschied dieser hier nahe beieinander liegenden und
demselben Zwecke dienenden Systeme ist in die Augen
springend. Während 16 eine vollständige Gewölbeconstruc-
tion zeigt, ist beim System 15 die Ueberdeckung durch Vor-
kragung erzielt worden, wie es heim Schatzhause des Atreus
zu Mykenä der Fall ist. Weshalb also die Anwendung dieser
so verschiedenen Systeme ?
Die Ueberdeckung nach 15 gehört einem der ältesten
Mauerzüge an, in dessen Bauperiode die Gewölbeconstruc-
tion noch unbekannt sein mochte. Anscheinend wurde dieser
Mauerzug ausgeführt, als die Cloake noch gar nicht exis-
tirte, sondern nur ein Graben der das Wasser aus der Stadt
hinausführte und den man heim Mauerbau überbrückte.
Aus diesem Graben wurde dann eine offene und schliesslich
mit grösserem Anwachsen der Bevölkerung eine geschlossene,
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