Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

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SARKOPHAG AUS LYKIEN

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steige ihm grade ein Verdacht auf, den der entschlossen zu-
rück gewandte Blick des Biomedes auch wol nicht grade zu
entkräften geeignet ist. Es ist wol ausser Zweifel, dass wir
hier den Moment dargestellt sehen, wie Odysseus Verdacht
schöpft, dass Diomedes ihm mit dem gemeinsam errungenen
Palladion davongehen möge und zwar ist die Darstellung
so drastisch, wie auf keinem andern der vielen antiken Mo-
numente, die uns den Palladienraub vorführen. Was derselbe
freilich mit dem Todten zu thun habe, überlasse ich andern
herauszufinden.
Die Nebenseiten bedürfen keiner weiteren Worte: der be-
trunken von dem Pan und einem Satyr mit der Fackel dahin-
geschleppte Herakles ist vortrefflich.
Stil und Arbeit zeigen am meisten Aehnlichkeit mit Wer-
ken aus der zweiten Hälfte des zweiten nach christlichen Jahr-
hunderts , doch ist bei der Isolirung des Fundortes Vorsicht
in der chronologischen Ansetzung geboten.
Es wäre zu wünschen, dass noch mehr Monumente die-
ser Art in jenen am directesten unter dem neuschaffenden
Einfluss der Diadochenzeit gestandenen Gegenden zu Tage
kämen : zu manchen uns noch räthselhaften Erscheinungen
auf römischen Sarkophagen würden wir dort vielleicht die
Brücke finden.

F. VON DUHN.

* Ueber diesen Verdacht und die verschiedenen Zeitpunkte der Expedi-
tion, wohin die Sage ihn setzt, vgl. 0. Jahn, Annali 1858 , 229. 336 tt. 239.
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