Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

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ATTISCHE PSEPH1SMEN

Laufe der griechischen Geschichte, einezahlreiche thebanische
Flotte in das äge't'scheMeer ausgelaufen, um Athen das seit der
Neugründung des Seehundes schnell wieder hergestellte Prin-
cipat zur See streitig zu machen. Die Berichte über den Ver-
lauf dieser Expedition sind uns verloren gegangen, sicher ist
nur, dass ein athenisches Geschwader unter Faches, welches
der thebanischen Flotte den Weg verlegen sollte, zum Weichen
gebracht wurde und dass die letztere auf ihrer Fahrt bis
nach Byzanz gelangte (DiodorXV 79. Isokr. Phil. 53). Auch
wenn nicht bestimmte Andeutungen dafür vorlägen, würde
anzunehmen sein, dass hei dem Erscheinen der thebanischen
Flotte unter den athenischen Verbündeten eine grosse Bewe-
gung entstand, dass in mehr als einer der den Seebund un-
gehörigen Städte die Athen feindliche Partei, welche in kei-
ner dieser Städte fehlte, das Uebergewicht erhielt und sich
vom Bunde lossagte. Dies muss auf Keos geschehen sein; die
thebanische Flotte wird den Fürs um die Südspitze von Eu-
böa genommen haben und hier, in der Nähe von Keos, auf
das feindliche Geschwader gestossen sein.
Die in der Inschrift berührten Thatsachen lassen sich jetzt
folgendermaassen ordnen. Beim Herannahen der thebanischen
Flotte hatten in den vier Städten der Insel Keos antiathenische
Erhebungen stattgefunden, die Führer der athenischen Partei
hatten entweichen müssen. In Julis war hei dieser Gelegenheit
der Proxenos der Athener von einem gewissen Antipater er-
schlagen worden (X. 37 f.) *. Hierauf hatten die keischen

Falle muss das Psephisma, von dem nur sicher ist, dass es vor dem letzten
Monate seines Oiympiadenjalires zu Stande gekommen ist (vgt. Z. 10), in der
zweiten Haelfte des Jahres (Frühling 362) verhandelt worden sein, in dem er-
steren ist es wahrscheinlicher dass es in der ersten als dass es in der zweiten
Haelfte votirt worden ist.
i Wenn es von dieser Ermordung heisst napa i:& ^cptop.a-ra ioü B^gou -to5
'A9y)va[tov xal navia opxo'j; xal Tot; ouvQ^xag, SO scheint mit tot ^(plogaia
-roü 3?jp.ou auf den Volksbeschluss Bezug genommen zu werden , durch welchen
dem Gemordeten die Proxenie übertragen worden war. Der emphatische Aus-
druck passt eher für eine Volksrede als für ein officielles Actenstück.
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