Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

Seite: 152
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ATTISCHE PSEPHISMEN

gen. Einige Zeit nachdem Chahrias die Insel verlassen hatte,
waren die Vertriebenen, wahrscheinlich in der Erwartung, dass
die thebanisclie Flotte wieder auslaufen werde, nach lulis zu-
rückgekehrt und hatten sich der Stadt bemächtigt. Sie hatten
sofort die Vertragssäulen umgestürzt und ihren Rachegefühlen
gegen die K Freunde der Athener )) freien Lauf gelassen ; gegen
diejenigen von den letzteren, welche rechtzeitig nach Athen
geflüchtet waren, hatten sie hierauf wegen ihrer Theilnahme
an dem Processe gegen Antipater ein gerichtliches Verfahren
eingeleitet und das Todesurtheil über sie aussprechen lassen
(Z. 30-38) 20. Indess die Entwicklung der festländischen
Verhältnisse liess es zu weiteren maritimen Experimenten
derThebaner nicht kommen, und so war der Aufstand ver-
muthlich mit Leichtigkeit von Athen aus unterdrückt worden.
In dem Psephisma wird die Stadt Karthäa, nächst lulis die
ansehnlichste der Insel, zwei Mal lohend erwähnt (Z. 54
und 23), diese scheint den Athenern treu geblieben zu sein.
Die lulieten aber hatten, nachdem der Aufstand unter-
drückt war, eine zur Hälfte aus Mitgliedern des Strategen-
collegiums bestehende Gesandtschaft nach Athen geschickt,
welche die zur Besänftigung der Gemüther geeignete Bot-
schaft überbrachte, dass die Stadt lulis den Athenern noch
drei Talente schulde ex Tou ToyLc6evTo<; <xpyuptou xxT& To
TOU TOU 'AQy]Vxh)V 8 Msvs^svo^ sLrsv (Z. 5 ff. vgl.
44 und 51 f.). Das hier angezogene Psephisma scheint sich
auf rückständige Beisteuern (cuwrxEsu) der Bundesmitglieder
bezogen zu haben und die Z. 12 erwähnte Commission zur
Eintreibung der von den Inselbewohnern geschuldeten Gelder

so Das Verbum welches ia Beziehung auf die Vertragssaeuleu
gebraucht ist, taesst schtiessen, dass diese in einem Heiligthumeaufgesteltt
waren. Vermuthtich war es das auch Z. 22 als Aufstellungsort genannte Heitig-
thum des Pythischen Apollo, welches auf der Akropoiis von lutis stand. Ge-
woehnlich wird in attischen Inschriften von dem Umwerfen von Inschriften-
steien das Verbum xaQatpsiv gebraucht, vgl. Corpus inscr. Att. II 3 Z. 11 ; 17 Z.
35.
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