Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

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MISCELLEN

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Jahrhunderts. Nun wurden aber im Jahre 1860 vier Ge-
bälkstücke , deren Zugehörigkeit zum Gebäude nicht in Zweifel
gezogen werden kann., mit der Weihinschrift des Appius
Claudius Pülcher (vgl. Uenzen im TM/. d. JAsC 1860 S. 225
ff. = 7. L. Hl 547) gefunden.
Michaelis (bei Uenzen a. a. 0.) suchte gestützt auf die Auto-
rität dieser Inschrift den römischen Charakter des Bauwerkes
nachzuweisen, und Andere sind ihm darin gefolgt. Er sagt:
(hü A /brme cA//' urcAücÜMm no??, .s/ pm n .sp/c^n?' /a
A4 dAcr.s/ cd u ^A?5oAggmmc, per co.s*/ Are,
A .scopo fp/aü/fro cd n/äfsticc, cm^cima parfc occi^pa tu?,
pog/o pA AApe??rA/üe, c da^C nr/AA sc n' c /a^o tu? aso m-
^c^??oso st c dt 5c/ grnAo, taa pta a wetto arät/rarto.
Dieser Charakter soll sich besonders in der Bildung der
Capitelle der neben der Mittelthür vorspringenden Anten und
der ihnen entsprechenden Säulen (vgl. den Grundriss in :
Alterthümer von Attica Cap. 3 Taf. 1) zeigen. Michaelis
nimmt Anstoss daran, dass die Capitelle der letzteren statt vier
Stirnen sechs tragen. Dies wäre gewiss auffällig, wenn diese
Säulen Epistylträger wären, da dies aber nicht der Fall ist,
sie vielmehr Tripodenträger sind, wie Bötticher (Tektonik
2. Aufl. I S. 355 f.) richtig erkannt hat, ist diese Form nicht
nur berechtigt, sondern sogar nothwendig: wir zählen nun
aber nicht sechs, sondern, von einem Greifen zum andern ge-
rechnet, nur drei Stirnen. Die das Epistyl tragenden Anten-
capitelle haben normale Form. Auch das über die Bildung
der Akanthusblätter Gesagte ist nicht zutreffend. Sie hat gar
nichts Römisches, wie ein vergleichender Blick auf ein belie-
biges römisches Capitell lehrt; am nächsten verwandt ist die
Blattbildung der Capitelle am Lysikratesdenkmal.
Eine durchaus andere, rein römische Kunst zeigen die Ge-
bälkstücke. Die Verbindung von ionischem Epistyl und dori-
schem Fries, letzterer noch dazu überladen mit allerlei sym-
bolischen Emblemen, die schlechte, rohe Ausführung, wel-
che mit der feinen Arbeit der Capitelle im grellsten Gegensätze
steht, lassen über den römischen Ursprung keinen Zweifel. Da
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