Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

Seite: 193
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MISCELLEK

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schriftlichen Nachrichten schweigen darüber, um so lauter
sprechen aber die erhaltenen Wände selbst dagegen. Das hat
schon Ivanoff in den de//' fn$/. 1861 S. 278 und /am.
f/h%u A Fig. 6 bewiesen, und nur der Umstand, dass diese
Stelle wenig bekannt geworden zu sein scheint, gibt mir
Veranlassung nach eingehender Untersuchung von Neuem
darauf hinzu weisen.
Sämmtliche Wände nicht nur der Pinakothek sondern der
ganzen Propyläen sind unvollendet, denn sie tragen fast
überall noch die Werkschicht. Die Wandflächen sind von an
allen Stellen gleich tiefen, aber verschieden breiten Canälen
umzogen, um die Tiefe anzuzeigen, bis zu der die Wand ab-
gearbeitet werden sollte. Bis zu dieser Tiefe sind alle Fugen,
und nicht nur die verticalen, wie in Ivanoffs Zeichnung,
sondern auch die horizontalen, geöffnet, so dass darüber, dass
wir es hier mit einer Werkschicht zu thun haben, kein
Zweifel aufkommen kann. Sollten die Wände bemalt werden,
so musste diese Werkschicht erst abgenommen werden. Dies
ist aber nur an dem Sockel und den zwischen diesem und
der Schicht aus eleusinischem Marmor liegenden Streifen an
den Wänden der Pinakothek vollständig, an den übrigen
Wandsockeln theilweise geschehen. Stucco hat sich ausser-
dem in alter Zeit auf keiner Wand befunden, denn es hat
sich nicht einmal in den Fugenöffnungen, die ich bis zur
Höhe von 6 Metern sorgfältig untersucht habe, auch nur der
geringste Rest erhalten. Da also sämmtliche Wände der Pro-
pyläen unvollendet sind, in Folge davon ohne Stuccoüberzug
und ohne Bemalung waren, konnten die Gemälde des Po-
lygnot keine Wand- sondern nur Tafelbilder sein. Spuren der
Befestigung von solchen finden sich in der Pinakothek aller-
dings nicht, was ganz natürlich ist, wenn, wie noch heute
in den meisten Gallerien, die Gemälde an von oben herab-
hängenden Gurten befestigt waren : vgl. Welcker A. D. IV
S. 233. Die Bilder verdeckten die unfertigen Wände, und
man begnügte sich, die unterhalb derselben sichtbaren Wand-
partien zu vollenden.
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