Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

Seite: 198
DOI Heft: DOI Artikel: DOI Seite: Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1877/0236
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
198

ATTISCHE PSEPH1SMEN

der;, dem Sohne des Polydoros, ermordet, welcher vorgab
den Tod seines Vaters an dem Mörder zu rächen und die
thessalischen Freiheiten gegen das tyrannische Regiment des
Polyphron in Schutz zu nehmen. Alexander übernahm hierauf
als Nachfolger seines Vaters die Tageia, machte sich aber
sehr bald durch Willkühr und Härte so verhasst, dass eine
Partei in Thessalien unter Führung der Aleuaden Alexander
von Makedonien veranlasste zo interveniren *. Als jedoch
die Makedonier Anstalten machten sich im nördlichen Thes-
salien festzusetzen, wandten sich die Thessalier nach Theben
und gaben dadurch den dortigen Staatsmännern die will-
kommene Gelegenheit, den thebanischen Einfluss über Thes-
salien und von da aus über Makedonien auszudehnen. Be-
kanntlich war es Pelopidas, welcher seitdem die thebanisch-
makedonischen Angelegenheiten, soweit sie Theben berühr-
ten, in der Hand behielt. An der Spitze eines thebanischen
Heerhaufens nöthigte Pelopidas den Tyrannen Alexander sich
auf das Gebiet um Pherä zurückzuziehen, und machte dadurch
dessen Tageia thatsächlich ein Ende (369 v. Ch.)A Aber

* Ich bin im Texte der Angabe Ptntarchs (Petop. XXIX) gefolgt, welcher
Potyphron als den Oheim Aiexanders bezeichnet, weit sie mir wohi beglaubigt
und mit den Thatsachen im Einklang zu stehen scheint. War nemiich Alexander
Polyphrons Nette, so war er unstreitig der Sohn Potydors, der wiederum, da
ihn Xenophon (Hell. VI 4, 33) an erster Stelie nennt, für den älteren der
beiden Brüder zu halten ist. Er konnte daher atsBluträcher und Erbe seines Va-
ters auftreten. Die Ueberlieferung über die Dynasten von Pherä und die theba-
nisch-makedonischen Angelegenheiten liegt bekanntlich bei Xenophon, Plu-
tarch und Diodor vor. Aber die Berichte der beiden letzteren gehen, was bis-
her nicht bemerkt zu sein scheint, augenscheinlich auf dieselbe Quelle
zurück. Wenn Diodor (XV 6t)mitUebergehung Polyphrons Polydor durch
seinen Bruder Alexander getoedtet werden lässt, so ist diese unrichtige An-
gabe offenbar nicht der Quelle entnommen, sondern fällt Diodor zur Last.
Xenophon scheint allerdings über das verwandtschaftliche Verhältnis Alexan-
ders, dessen er keine Erwähnung thut, im Unklaren gewesen zu sein. Aber
die Berichte Plutarchs und Diodors sind so eingehend und detaillirt, dass man,
trotz des in Bezug auf die Ueberführung Philipps von Makedonien nach Theben
begangenen Irrthums, eine zeitgenoessische Quelle auch für diese Schriftstel-
ler anzunehmen haben wird.
2 Nach dem beiSuid. nap'ouSsv O^Evo; angeführten Fragment eines ungenann-
loading ...