Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

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ATTISCHE PSEPHISMEN

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schon im folgenden Jahre veranlassten neue Unruhen,, welche
in Thessalien und Makedonien ausgebrochen waren , Pelopi-
das abermals nach Thessalien zu gehen; auf dieser Gesandt-
schaftsreise wurde er von Alexander von Pherä gefangen
genommen und festgehalten. Allein dem Tyrannen seihst
wurde vor der Bedeutung seines Fanges hange; um sich
gegen den drohenden Angriff der Thebaner zu schützen trug
er den Athenern ein Bündniss an, welche bereitwillig die
Gelegenheit erfassten, die Hindernisse, welche die thebanische
Politik im Norden fand, zu verstärken* *. Unter Mitwirkung
athenischer Hülfstruppen nöthigte Alexander die anrückenden
Thebaner zu einem schimpflichen und gefahrvollen Rückzug,
und erst nachdem Epaminondas den Oberbefehl übernommen
hatte, gelang es, den Tyrannen zur Herausgabe seines Gefan-
genen zu zwingen. In den folgenden Jahren war das Glück
Alexander wieder günstig, ein Theil von Süd- und Ostthes-
salien, die Gebiete der Magneten und phthiotischen Achäer
geriethen von neuem unter seine Botmässigkeit. Dadurch
wurde die letzte Expedition des Pelopidas veranlasst, auf
welcher dieser Thebaner hei (364 v. Ch.). Um den Tod des
gefeierten Staatsmannes und Feldherrn zu rächen boten die

ten Historikers (?) wäre anzunehmen, dass Alexander damals einen Vertrag
mit Peiopidas abgesehtossen haette, jedoch laesst sich diese Annahme mit dem
Bericht bei Plut. Peiop. XXVt kaum "vereinigen. Nach der bei diesem Autor und
Diodor vorliegenden Ueberlieferung zu schtiessen ist es zu einem foermlichen
Vertrage mit Alexander vor Pelopidas Tode nicht gekommen.
* Als in demselben Jahre, und zwar nicht vor dem Sommer (vgl. Mitthei-
lungen I S.22) ein Hülfskorps Dionysiosdes I. im Peloponnes eintraf, bean-
tragten die Athener in Sparta, dass dasselbe nach Thessalien expedirt würde
(Xen.Heit.VH 1, 28). Es scheint mir ziemlich klar, dass dieser Antrag im
Zusammenhang stand mit dem Bündniss zwischen Athen und Alexander von
Pherae ; und ich kann auch aus diesem Grunde der schon von Schaefer (Demo-
sthenes I S. 82) bekaempften Ansicht Grotes, welcher die Gefangennahme des
Pelopidas nach dessen Gesandtschaftsreise nach Persien ( 367 v. Ch.) ansetzt,
nicht beistimmen. Allerdings laesst auch Grote das Bündniss mit Alexander
schon im J. 368 eingeleitet werden (B. V S. 519 d.Uebers.), aber dieses Bünd-
niss wird nicht nur von Diodor (XV 71), sondern auch von Demosthenes (g.
Aristokr. 120) ausdrücklich mit Pelopidas Gefangennahme in Verbindung gesetzt.
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