Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

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ATTISCHE PSEPHISMEN

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auf das von den Athenern im J. 373 mit Jason abgeschlossene
Bündniss bezieht. Irre ich mich nicht so waren darin als Eides-
leister der Thessalier ausser dem Tagos Jason (X. 5) nur mili-
tärische Chargen, die 4 Polemarchen, einer für jeden der 4
Kreise, und die Pezarchen genannt. Seitdem die Tageia in
der Dynastie von Pherä einen erblichen Charakter angenom-
men hatte, kann der thessalische Bundesrath, wenn er über-
haupt befragt wurde, nur eine sehr untergeordnete Rolle
gespielt haben. Ich vermuthe, dassPelopidas hei seiner ersten
Anwesenheit in Thessalien die alten amphiktionischen Insti-
tutionen mit Ausschluss der in Alexanders Gewalt befind-
lichen Städte neu belebt, zugleich aber die Thessalier zur
Einsetzung eines gewählten Bundesoberhauptes bewogen hat.
Über den in der Inschrift als Archon genannten Agelaos ist
so viel ich sehe anderweitig nichts bekannt.
Die Initiative zu dem Bündniss war von den Thessaliern aus-
gegangen (Z. 9 T7)v cuggx^fxv x.T.7.). Auf diese
ist es namentlich zurückzuführen, dass der Vertrag nicht
nur gegen Angriffe auf Land und Leute, sondern auch zum
Schutze der bestehenden Verfassungen abgeschlossen worden
ist (Z. 18 f. Z. 28). Für die Athener hatte die Ausdehnung
des Vertrages auf den Schutz der letzteren keinen Werth.
Alexander muss in der Zeit nach der Schlacht hei Mantinea
seine Angriffe gegen die Thessalier erneuert haben. Dass er
nach dem Vertrage vom J. 464 diess wagen konnte und dass
die Thessalier hei den Athenern Hülfe suchen mussten,
fügt zu den vorhandenen ein neues Zeogniss für den plötz-
lichen Umschwung, der nach dem Tode des Epaminondas in
der thebanischen Politik eingetreten ist.
In dem Vertrag ist ferner bestimmt, dass derselbe auch für
die Bundesgenossen (cuggx^oG der beiden contrahirenden
Parteien gelten soll (Z. 12ff.). Unter den Bundesgenossen
der Athener sind hier unzweifelhaft die Mitglieder des See-
hundes verstanden, ebenso wie in dem vor der Schlacht bei
Mantinea mit den Peloponnesiern abgeschlossenen Vertrag
(vgl. Mitth. I S. 198). Was die Athener bewegen konnte
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