Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

Seite: 216
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ASKLEPIOS-RELIEFS

irgendwo eingelassen gewesenen Relief., nicht direct mit dem-
selben verbunden.
Die Darstellung selbst bedarf kaum erklärender Worte:
über die in ihrer Art auf unsern Reliefs einzige Erscheinung
des Ritterpferdes ist schon gesprochen : der Anbetende tritt
noch unmittelbar vor seinen Gott Irin, durch keinen Altar
oder Opfertisch getrennt *, vertrauensvoll nahe — näher wie
auf den andern Reliefs —, aber doch mit etwas schüchterner
Zurückhaltung, noch nicht in jener später üblichen gleichför-
migen Weise. Ebenso unterscheiden sich seine glücklich erhal-
tenen Züge von dem später typischen bärtigen Athenergesicht
noch durch eine fast porträthafte Individualität, und sehr we-
nig ((attisches Profil)) zeigt die dicke in ziemlichem Winkel
von der Stirn vorspringende Aase, zu welcher alsdann der
breite Mund in guter Harmonie steht. Resonders klar wird
die Absichtlichkeit dieser Gesichtsbiidung durch den Vergleich
mit dem edeln Kopf des Asklepios : wie dessen ganze Gestalt,
obschon aufgestützt auf einen plastisch nicht angegebenen
Stab, noch vornehm aufgerichtet steht, — nicht so gebrechlich
und krankenväterlich zusammenfallend wie später so oft, —'
so ist auch der Kopf noch in seiner natürlichen Höhe, und
nur der mild gesenkte Blick bezeugt das Interesse, welches
er am Gelübde des Genesenen nimmt. Für die richtige Beur-
teilung des Asklepiostypus möchte der Kopf unseres Reliefs
als der besterhaltene aus älterer Zeit eine gewisse Bedeutung
beanspruchen. Jedem wird die nahe Verwandtschaft zum
Zeustypus in die Augen fallen, und zwar ganz besonders zu
dem vielleicht ziemlich gleichzeitigen olympischen Zeus. So
wenig die kunstmythologische Betrachtung der von den Alten
allerdings ja schon in früher Zeit statuirten Verwandtschaft
des Asklepios mit Apollon irgend welche mythologische Be-
deutung zusprechen kann — dass eben beide, der eine ur-
sprünglich local gebunden in der Epidauria und einem Theile

' Ebenso aut Nr. 4. 5. 7. 24. 28. 32. 4t.
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