Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

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ASKLEPIOS-RELIEFS

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freie Schöpfung der Poesie : und solange poetischer Geist im
Griechenvolk lebendig war, hatte jeder einzelne die Freiheit,
sich von ihr sein eignes Ideal zu schaffen : wie wenig fixirt
selbst dieses häufig war, zeigt uns z. B. der literarisch und
inschriftlich erhaltene Hyrnnos des Ariphron (Bergk P. L. G.
H13 1250) wo die Göttin zu Anfang als ^psTof^vx gxxxpow
gepriesen wird, aber kurz darauf die hierdurch geweckte
matronale Vorstellung wieder in eine anmuthig jugendliche
gewandelt wird durch Worte, wie:
gSTX <7S?0, gxxxsp' 'Yyl^x,
TsQx'Xs 77XVTX Xxt Xxg7?S^ Xxpf'MV SXpL.
Die spätere Zeit bemühte sich noch mehr, das Loh der Ge-
sundheit, des höchsten der Güter, so vielseitig auszudrücken,
dass die Vertreterin derselben nur zu einem ganz abstracten
Ideal hätte werden können : eine Reihe ebenso w ie einst der
Casseler Hyrnnos ^G. 7. A. Hi 171) am Asklepieion zu Tage
gekommener Paeanfragmente bieten reichliche Proben. So
war denn auch Ilygieia eine allzu wenig concrete Gestalt,
um selbstständig existiren zu können : höchstens in gleich
luftiger Gesellschaft wie mit der Eudaimonia, Pandaisia
u. s. w. auf attischen Vasen (vgl. 0. Jahn, Vasen mit Gold-
schmuck Taf. H). Entweder ging sie also einfach auf in eine
andere grössere Gottheit, welche ihre Functionen gewisser-
maassen mit übernahm, wie auf der Burg von Athen seihst in
die Atliena; oder sie wurde mit einer andern Gottheit in eine
unlösliche Verbindung gesetzt: so erscheint sie auf einem in
Rom gefundenen griechischen Relief mit Atliena vereinigt
1872, 228), so in Philippopolis mit Demeter (Mionnet
Supp/. 1561, 1632. A?m. & 1861 , 385), so, und am
häufigsten mit Asklepios. Unter all den vielen Votiv- Bildern
und-Inschriften, welche die jetzigen Ausgrabungen an's Licht
förderten, sind manche Dedicationen allein an Asklepios,
aber keine allein an Hygieia, und nie wird uns von einem
Heiligthum der Hygieia berichtet. Wie verschiedenartig die
Kunst sich bemüht hat, diese enge Verbindung der Tochter
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