Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

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DER SUEDABHANG

fertig und vielleicht schon aufgestellt war; daher vielleichtauch
die Unregelmässigkeit in der Aufzählung. Die Stifter waren
vom Volke belobt und bekränzt worden, zur Erinnerung hier-
an haben sie das Denkmal errichtet V Die Figuren der Götter-
gruppe sind leicht zu recognosciren. in der Mitte den Adoran-
ten zugewandt steht Asklepios mit der linken Achsel auf den
plastisch nicht ausgedrückten Stab gestützt, den rechten Arm
in die Hüfte gestämmt. Bei der Feststellung dieses Typus,
welcher auf den Asklepiosreliefs häuhg wiederkehrt (vgl. z.
B. Taf. XV), scheint das Bild des an das Krankenlager ge-
eilten Arztes vorgeschwebt zu haben. Hinter Asklepios sitzt
in gemächlicher Haltung Demeter auf einem kreisförmigen
Gegenstand, in welchem wir, obwohl er nicht näher charak-
terisirt ist, ein Getreidemaass erkennen. Sie hält die Linke
erhoben als wenn sie das Wort an den vor ihr stehenden
Gott richtete, ein einfaches Kunstmittel um die Figuren in
Rapport mit einander zu setzen. Durch ein ausgebildetes Ge-
herdenspiel namentlich der Hände (vgl. die Gruppe der Ado-
ranten) hat es die feinfühlige griechische Kunst verstanden
auch die an Handlung armen Reliefdarstellungen innerlich zu
beleben, während die römische die Figuren neben einander
zu stellen pflegt wie der Kegeljunge die Kegel. Im Rücken der
Demeter steht Kore zwei grosse Fackeln nach dem Haupte
der Mutter zu senkend, wie eine Dienerin, die den Sonnen-
schirm über dem Haupte der Herrin hält. Augenscheinlich ist
Asklepios der Mittelpunkt der ganzen Darstellung; an ihn ist
das Gebet der Stifter gerichtet, bei welchem Demeter und Kore
anwesend sind. Es fragt sich, wie die Vereinigung der drei Gott-
heiten zu erklären sei. Die Antwort auf diese Frage, welche zu-
gleich über das Vorkommen von Weihgeschenken an die eleusi-
nischen Göttinnen in dem Asklepieion aufklärt, ist einfach und
sicher. Eines der Hauptfeste des Asklepios in Athen waren die
Epidaurien. Die Epidaurien aber waren ein Theil derEleusi-

* Die UnvoRständigkeit der Beischriften lässt vermuthen, dass der betreffende
VolksbescMuss in der Nähe aufgesteitt war.
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