Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

Seite: 259
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DER AKROPOLIS IN ATHEN

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Ende des Heidenthums der Asklepioscultus namentlich in den
philosophischen Kreisen durch die damit verbundenen Traum-
orakel noch ein Mal eine neue Bedeutung gewonnen hat.
Die letzten Nachrichten über das athenische Asklepieion finden
sich in der Lebensbeschreibung des Philosophen JProklos,
welche seinen Schüler und Nachfolger Marinos zum Verfasser
hat. Wie Marinos erzählt, benutzte Proklos die Lage seines
Wohnhauses in der Nähe des Asklepieion, um in dem Tem-
pel des Gottes ohne hei den Verfolgern des heidnischen
Dienstes Aufsehen zu erregen die alten Gebräuche, an denen
seine Seele hing, zu verrichten, xxt y^p TTJTÖ^Et. Toovoo ^ ^6-
'Xn voTs, fügt der Biograph wehmüthig hinzu, xxt slx.sv
xTopOviTov To Too UtoT'/jpo^ tepov (Marin. vzüzProc/z XXIX).
Danach ist anzunehmen, dass der Asklepiostempel in einem
Moment fanatischer Aufregung von den Christen zerstört
worden ist. Dies wird gegen das Ende des fünften Jahrhun-
derts geschehen sein, da Proklos, der im J. 429 nach Athen
gekommen war, im J. 485 daselbst starb L An der Stelle des
zerstörten Tempels ist die christliche Kirche erbaut worden,
deren Pavimente auf der Asklepiosterrasse aufgedeckt wor-
den sind. Die sonnige und geschützte Lage, der Wasserreich-
thum und das vorhandene Baumaterial scheinen bewirkt zu
haben, dass Private sich auf der Terrasse niederliessen. Dass
diese frühzeitig bewohnt worden ist, beweisen einerseits bau-
liche Reste, welche auf dem alten Niveau liegen, namentlich
die zahlreichen Wasserbauten; andererseits lassen auch die
in gleicher Tiefe gemachten Münzfunde darauf schliessen. Es
wurden an einer Stelle 36, an einer anderen 57 Goldmünzen
gefunden; die Münzen gehören derselben Epoche, der Re-
gierungszeit des Kaisers Heraklius I (613-641) und seiner
nächsten Nachfolger an 2. Über die Niederlassung, welche

i S. Hertzberg, Geschichte Griechenlands unter den Roemern tH S. 519 ft.
s Ein Fund von über hundert antiken Broncemünzen aus der makedonischen
Zeit wurde auf der westlichen Terrasse hart am Burgfelsen gemacht. Ein Paar
venezianische Goldmünzen wurden vereinzelt im Schutte gefunden.
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