Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

Seite: 267
DOI Heft: DOI Artikel: DOI Seite: Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1877/0309
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
GRAEBERFUNDE IN SPATA

267

beiden Seiten einer Rosette zeigt. Eine andre Tafel war, wie
es scheint, in vier Felder getheilt, in denen symmetrisch ent-
sprechend je eine Sphinx eingeordnet war. Doch ist nur
eine derselben vollständig erhalten. Ausser diesen Figuren
kommt auf genau dieselbe Weise zweimal die typische Dar-
stellung des stierwürgenden Löwen in vortrefflicher Bildung
und Erhaltung vor. Der noch in vollem Sprunge gehaltene
Löwe gräbt die Zähne in den Rücken des Stieres, der auf die
vorderen Kniee gestürzt ist und den langgehörnten Kopf mit
hängender Zunge zurückgewandt hat. Das Ganze ist sehr le-
bensvoll und gehört zum Besten in dieser Gattung, vorzugs-
weise der Stier, während der Körper des Löwen, wohl aus
Mangel an Raum, etwas zu klein ausgefallen ist.
Erhalten ist von Thierbildungen noch der hintere Theil eines
Löwen (?) und der in die Elfenheintafel lediglich eingravirte
Umriss einer Antilope, die mit den Vorderfüssen zusammen-
gestürzt ist.
Was die Bildung menschlicher Figuren anlangt, so ver-
zeichnen wir die Unterkörper (Beine und Hüften) zweier
schreitender Männer, wenige Ctm. hoch, die derb und mus-
culös gearbeitet sind. Das wichtigste Stück ist aber die bereits
erwähnte halbe Rundfigur^ welche die linke Seite eines bärti-
gen Mannes (Kopf und Brustansatz) im Profildurchschnitt
darstellt. Die Höhe mag etwa 6 Ctm. betragen. Der Kopf
scheint ohne Hals unmittelbar auf dem Körper zu sitzen
(dessen Ansatz keine Details zeigt; unten ist er glatt abge-
schnitten). Auch das Haar beginnt unorganisch über einer
zu hohen Stirn. Das Ohr liegt sehr hoch, das Auge in Vor-
deransicht; die Nase ist gerade und etwas spitz ; das Kinn un-
bedeutend und eckig. Das Bart ist nur auf der Wange sichtbar
und durch Schrafhrung angedeutet. Die merkwürdigste Bil-
dung aberzeigt das Haar. Am Hinterhaupte fällt es, ganz
assyrischer Mode entsprechend, in 3 Abtheilungen oder Etagen
herab, doch nicht zu Locken gekräuselt, während sich über
dem Kopfe, von mehreren Reifen umfasst, ein hoher glocken-
förmiger Aufsatz emporbaut, der gleichfalls in Asien sein
loading ...