Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

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GRAEBERFUNDE IN SPATA

chen bestehen., werden ebenfalls Formen oder Bonzen vor-
auszusetzen sein, die gleich den erwähnten vom Auslände be-
zogen wurden. Wollen wir uns somit zur Beantwortung
unserer zweiten Hauptfrage wenden,, wie weit eine lokale
Entwickelung erkennbar sei, so müssen wir auch diese
auf mechanischem Wege vervielfältigten Gegenstände bei Seite
lassen.
Was nun die Grabreliefs anbelangt, so sind die meisten in
der Nähe eines Grabes gefunden und scheinen keine wesent-
lichen Unterschiede aufzuweisen. Die Goldmasken (Mitth. I
325) dagegen zeigen nicht einerlei Gepräge. Selbst die An-
nahme eines primitiven Versuchs Portraitähnlichkeit zu er-
zielen würde nicht alle Verschiedenheiten erklären vom plum-
pen runden Gesicht mit breitem Munde und quellenden Augen
bis zu den regelmässigen Zügen einer bärtigen Maske, an der
Brauen und Wimpern der geschlossenen Lider sowie das Bart-
haar sorgfältig ciselirt sind V Da nicht alle Todten gleichzeitig
begraben sein können, stehen derartige Differenzen zu er-
warten und werden hoffentlich noch allgemeiner und schär-
fer hervortreten, wenn es gelungen sein wird, das gesammte
Fundmaterial nach Gräbern auseinanderzuhalten. — Die
Fragmente der Thongefässe zeigen zwar unter einander eine
gewisse Entwickelung der Decoration, aber was sehr be-
merkenswerth, nur innerhalb derselben (linearen) Periode.
Dasjenige Stück, welches auf der äussersten Grenze der Ent-
wickelung steht und sich der Gattung der melischen Thon-
gefässe am meisten nähert (schreitende Kriegerdarstellung, s.
Mitth. I 315), ist sogar ausserhalb der Gräber seihst gefun-
den. Die asiatischen Motive welche bereits so zahlreich in
anderem Material Vorlagen, sind noch nicht in die weitver-
breitete (nationale?) Methode der linearen Decoration einge-
drungen.
Das Gesagte gilt, soweit Stoff zur Vergleichung vorliegt,

i Die mir von Anderen mitgetheiite Beobachtung, dass eine der Masken
Knebeibart trage (Mitth. f 325), hat sich als irrig erwiesen.
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