Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

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GRAEBERFUNDE IN SPATA

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auch für Spata, jedoch mit dem Zusatz, dass wir hier
einer gleichmässig etwas höheren Entwickelungs-
stufe begegnen. Die Elfenbeinreliefs zumal verrathen durch-
weg eine ausgebildetere Technik und grössere Naturwahrheit;
die menschlichen Bildungen haben bereits etwas von dem
Begriff des griechisch-archaischen an sich *. Damit stimmt
die entwickeltere Anlage der Gräber völlig
überein. Während die in der Oberstadt von Mykene befindli-
chen wie es scheint nur senkrechte Schachte sind , haben wir
hier mehrere in den weichen Fels gearbeitete Gemächer (eins
wohl Vorraum), zu denen ein horizontaler Gang und eine
sauber eingeschnittene Thür mit geglätteter dreieckiger Stirn-
fläche führte eine Anlage, deren perspektivischer Gesammt-
eindruck mit dem Eingang zu den Tholosbauten der myke-
nischen Unterstadt ausserordentlich viel Gemeinsames hat.
Nun haben diese Gebäude gleichfalls mit zu Bestattungs-
zwecken gedient und nach der natürlichsten Annahme doch
wohl später, als die Gräber der Burg. Auch von diesem Ge-
sichtspunkt aus erscheinen die Gräber von Spata jünger als
die Schliemann'schen und nehmen vielleicht eine Art Mittel-
stellung ein. Nähere Zeitangaben an Stelle dieser nur relativen
Bestimmungen setzen zu wollen., erschiene sehr gewagt. Es ist
nicht schwer zu erkennen,, dass in unseren Alterthümern
noch nichts von dem griechischen Geiste bemerkbar ist, der
sich später erwachend die asiatischen Formen nutzbar machte,
ohne sich ihnen unterzuordnen. Der naheliegende Vergleich
mit der Kunststufe, welche die homerischen Gedichte wie-
derspiegeln, würde die letztere, wenn sie nicht viel idealisirte
Elemente enthielte, eher um einen Grad entwickelter er-
scheinen lassen. Immerhin bleibt eine Reihe von Berührungs-

* Ist es Zufall, dass, wie sich bei näherer Nachforschung herausstellte, die
archaische Marmorstatue einer liegenden geflügelten Sphinx, die ich indess
nicht wagen würde über das 5te Jahrhundert liinaufzudatiren, gleichfails bei
Spata gefunden ist? Sie stammt sicherlich auch von einem Grabe.
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