Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

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HYPOTHEKENSTEINE AUS SP ATA

oder dramatisch zu behandeln, so würde der jungen Ehefrau
nothwendiger Weise die Rolle der edeln Person in dem Stücke
zufallen. Gegenseitige Recriminationen abwechselnd mit An-
näherungsversuchen füllten zwei Jahre aus, dann kam es zu
einem Vergleich. Pythodoros erkannte seine Verpflichtung
an die rückständige Hälfte der versprochenen Mitgift zu
zahlen, der Schwiegersohn die seinige die erhaltene Hälfte
für die Zeit der Abwesenheit seiner Frau aus seinem Hause
nach dem gesetzlichen Zinsfuss zu verzinsen. Der letztere ge-
währte dem ersteren eine Zahlungsfrist, wogegen Pythodoros
einwilligte, dass die aufgelaufenen Zinsen von 18 p. C. nicht
haar erlegt zu werden brauchten, sondern zu der eventuell
an die Familie der Frau zurückfallenden Mitgift gerechnet
wurden. Dieses Übereinkommen stellte alle Betheiligten zu-
frieden, am glücklichsten war Xenariste, welche in der end-
lichen Wiedervereinigung mit dem Gatten den schönsten
Lohn ihrer standhaften Liebe fand. Zur Besiegelung des ab-
geschlossenen Pactes wurde der auf uns gekommene Hypo-
thekenstein aufgerichtet. Von diesem Moment an treten die
drei Personen, deren Schicksal uns bisher beschäftigt hat,
für den gewissenhaften Historiker wieder in das Dunkel zu-
rück, in welchem sie vor dem Conhicte gelebt und geliebt
hatten; dem Leser bleibt es überlassen sich mit der Phanta-
sie auszumalen, wie glücklich und gesegnet die so stürmisch
begonnene Ehe der Xenariste in der Folge gewesen sei.
Die Zahlen am Ende der Urkunde können nicht mit
Sicherheit ergänzt werden. Das letzte Zeichen ist undeutlich,
vorher scheinen ein oder zwei Zeichen zu fehlen. Unstreitig
belief sich die gezahlte Hälfte der Mitgift auf 2000 Drachmen.
Die Zinsen dieses Capitales nach dem Zinsfuss von 18 p. C. be-
rechnet betragen für zwei Jahre 720 Drachmen. Hiernach ist
anzunehmen, dass Xenariste nicht ganz volle zwei Jahre aus
dem Hause ihres Mannes abwesend gewesen war. — Z. 7 war
in der Umschrift beizubehalten, da kein mechanischer
Schreibfehler vorliegt wie Z. 1 im Namen des Archon sondern
eine unorthographische aber nachweislich in Athen neben der
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