Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

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AUS SPARTA UND UMGERUNG

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B. DoeH, D?e Tf. i-IV. Tf. X) erinnern
stark an die peloponnesischen Kunstwerke, sondern auch die
Art des Reliefs in dem neuerdings bekannt gewordenen Sar-
kophag von Golgos nrcA. 1875, PI. M) scheint den
unsrigen nah verwandt.
Um die allgemeine Charakteristik unserer Reliefs zu vollen-
den sei noch jenes unverkennbare Bestreben nach Deutlich-
keit, Ausfülirlickeit und Ausfüllung des gegebenen Raumes
gebührend hervorgehoben *. Es genügt auf die Tafeln zu ver-
weisen, wo die Sorgfalt in der structiven Gliederung des Thro-
nes, in der Ausführung des Beiwerks (man beachte die Haar-
locken, den Gewandzipfel hinter dem Rücken, die Sandalen
und Schnabelschuhe) sogleich in die Augen fällt. Fast kunst-
reich zu nennen ist die Verwendung der Adoranten unter dem
Kantharos (in A und B), des ausgespannten Schleiers der
Göttin und des Drachen hinter oder vor dem Throne zu
Zwecken der Raumfüllung. Dieses Prinzip ist von den Künst-
lern so sehr als massgebend erachtet worden, dass sie theils
mit Rücksicht auf die gegebene Form des Steines componir-
ten 2, theils den Rand des Steines der Darstellung folgen Hessen
(so die rechte obere Ecke des Reliefs von Chrysapha dem
Contour des Schleiers 3).
Wir haben bisher an unseren Reliefs nur diejenigen Seiten

* Allerdings wird damit nur ein allgemein beobachtetes Gesetz der griechi-
schen Reliefkunst erfüllt. Doch kommt der Ausführung desselben dann meist
die Handlung zu Hülfe wie in den Metopen von Selinunt; oder die Freiheit des
Isokephalismus, wie beim Harpyienmonument, tn Kunstwerken, die lediglich
einen sacralen Zweck erfüllen, wird jenes Gesetz nicht selten vernachlässigt;
viele griecli. Votivreliefs koennen als Beispiel dienen. Und selbst ein mit den
unsrigen verglichenes archaisches Relief, das des thronenden Gottes aus Ince-
Hatl (Arch. Ztg. 1874 Tf. 5), zeigt eine unschoene Leerheit.
2 In dem Relief aus Chrysapha z. B. ist wegen Mangels an Raum der untere
Theil der Schlange etwas ungeschickt unter den Thron gesetzt; in B werden
aus demselben Grunde die Adoranten zusammengerückt.
^ Am auffälligsten ist diese Erscheinung bei dem auf Tf. XXV, 2 publicirten
Relief. Da die rechte Seite desselben mit dem Schlangenleibe allein nicht ge-
nügend ausgefüllt werden konnte, erhielt der obere Rand die ganz eigentüm-
liche abgeschrägte Form.
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