Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 2.1877

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AUS SPAUTA UND UMGEBUNG

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bestimmter, etwa nationaler Tradition zu suchen sein?
Man wird die Frage aufwerfen, weshalb die spartanischen
Reliefs A c trotz augenscheinlich hoher Alterthümlichkeit
von allen Kennzeichen einer kindlich unsicheren und
volksmässig derben Kunst in so hohem Grade frei sind.
Dürfen doch bereits die ältesten derselben nichts weniger als
roh genannt werden. Vielmehr zeigen sie eine Schärfe und
Präcision der Formen, eine Einheit des Gewollten und Ge-
leisteten, welche auch in den Reliefs der Stele durchaus nicht
zu ßnden ist. Zum Reweise dient, dass ohne eine gewisse
Sicherheit d e r T e c h n i k zwei so vollkommen ähnliche
Repliken wie A und B nicht wohl denkbar wären, denn un-
geübte kindliche Versuche würden in der Wiederholung stets
etwas Verschiedenes hervorbringen.
Retrachten wir auf der anderen Seite die idolartige Starr-
heit und Leblosigkeit der ältesten Reliefs, die geradlinige
Eegrenzung der Leiber, die steife, eckige und gebundene
Haltung, so stehen die Reliefs hierin hinter der lebendigen
Kraftfülle der Metopen bei weitem zurück. Besonders auffällig
aber zeigt sich dieser Gegensatz in der Gewandbehandlung.
Während z. B. in der Perseusmetope (Benndorf,
Tf. 1) der Schurz des Heros und der Chiton der sogen. Athena
vollkommen durchgebildete, wenn auch in archaischer Weise
angeordnete Falten zeigen, so dient in den Reliefs A. B ein
vollkommen schematisches System fast gerader diagonaler
oder verticaler Einschnitte um die Function des den Körpern
wie angeklebten Gewandes zu bezeichnen.
Woher nun dieser verschiedene Ausdruck einer doch in
beiden Fällen primitiven Kunst? Worin liegt die vollkomnere
allgemeine Erscheinung der spartan. Reliefs, deren ein-
zelne Figuren in ihrer Bildung von dem brettartigen Idol nur
um einen Schritt entfernt scheinen?
Zur Erklärung dieses Zwiespaltes scheint sich nur ein be-
friedigender Ausweg zu bieten : wir haben es in den spartan.
Reliefs nicht mit vagen kindlichen Anfängen sondern, wie
schon die Anzahl der zufällig erhaltenen Exemplare beweist,
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